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Weitere Namen
Gezer
Lokalisierungsvorschläge
Namensformen AT
Gæzær גזר. Γάζερ (Jos 12,12 u.a.); Γαζαρὰ (1Chr 14,16); Γαζηρά (2Sam 5,25); Γάζης (Jos 10,33)
Belege AT
Jos 10,33; Jos 12,12; Jos 16,3; Jos 16,10; Jos 21,21; Ri 1,29 (2x); 2Sam 5,25; 1Kön 9,15-17; 1Chr 6,52; 1Chr 7,28; 1Chr 14,16; 1Chr 20,4
Belege NT
ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)
qdr (ägyptisch: Palästinaliste Thutmosis III. Nr.104; Totentempel von Theben Urk. IV 1556:11; Liste Amenophis II. in Soleb IX, Nr.9β2; Merenptahs Inschrift in Amada KRI IV I:9; Israel-Stele KRI IV 19:5,6; Schoschenqliste Nr.12(?): Giveon, Raphael 1964a, 250; Görg, Manfred 1974b, 84-86; Aḥituv, Shmuel 1984a, 101-102; Wilson, Kevin A. 2005a, 105-106)
uruGaz-ri (EA 254:22; 292:43; 369:1); Gaz-riki (EA 287:14); KUR [hi]a uruGaz-riki (EA 253:22; 299:44; 378:4); uruGa-az-riki (EA 290:8; 298:5; rekonstruiert in EA 300:5) (keilschriftlich; Amarnabriefe: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 79; Goren, Yuval u.a. 2004a, 270)
uruga-az-ru (keilschriftlich; Relief Tiglat-Pileser III. 1-11) Tigl M II,3,1: Bagg, Ariel M. 2007a, 74-75)
Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit
Γαζαρα (1Makk 9,52; 1Makk 13,43; 1Makk 13,53; 1Makk 14,7; 1Makk 14,34; 1Makk 15,28; 1Makk 15,35; 1Makk 16,1; 1Makk 16,19; 1Makk 16,21; 2Makk 10,32)
Γαζηρα (1Makk 4,15; 1Makk 7,45)
Γαζαρα (Josephus, antiquitates VII,301; VIII,151; XII,15.215; bellum I, 50); Γαζάρων (antiquitates V,83; VII,77; XII,308) Γαζωρα (antiquitates XIII,261) ( Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 62-63)
Γαζέρ; lat. Gazer (Eusebius, Onomastikon: Klostermann, 66,19-68,2; Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 66 Nr.315; Timm, 81,2-5 Nr.315; Röwekamp, Georg 2017a, 162-165 Nr.315)
Γαζηρά; lat. Gazera (Eusebius, Onomastikon: Klostermann, 72,13-14; Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 71 Nr.346; Timm, 87,6-7 Nr.346; Röwekamp, Georg 2017a, 170-171 Nr.346)
Γαζέρ; lat. Gazer (Origines, Hom. XXI,2; XXII,1.3: Döhler, Marietheres / Fürst, Alfons 2020a, 354,13; 361,9.13; 362,23; 364,1)
hgwzr; gyzwrh; gzyrh; gzry; gwzryʾ (Rabbinische Literatur: Reeg, Gottfried 1989a, 176)
Beschreibung
Der Name Geser ist im MT mehrfach belegt. Die Identifizierung des Ortes mit dem heutigen Tell el-Ǧazarī ist in der Forschung unbestritten (s.u.).
Namensformen
Im MT findet sich in allen Belegen die Form gæzær. Lediglich in 1Chr 14,16 ist mit gæzærah eine andere Schreibweise belegt, die sich aber durch He-Locale erklären lässt. In der LXX sind verschiedene Lesarten bezeugt, die aber allesamt den Ortsnamen transkribieren (s.o.). Die unterschiedlichen Schreibweisen der LXX lassen sich durch Fehlschreibungen, Dittographien und unterschiedliche Vokalisationen erklären. In einem Fall ist der Ortsname in der LXX auch ausgefallen (Jos 16,3-LXX).
Etymologie
Der Ortsname Geser wird allgemein von der Wurzel gzr („trennen, abtrennen, teilen, abschlachten, zerstören“) abgeleitet (vgl. Lagarde, Paul Anton de 1870a, 27; Conder, Claude R. 1879a, 11; alternative Vorschläge finden sich bei Borée, Wilhelm 1968a, 23). Die qatl-Form ließe sich als „abgesperrter/abgetrennter/abgesonderter Ort/Raum“ deuten (vgl. HAL Lexikon 2, 180). Der Ortsname könnte damit auf die eingeschnittene Lage des Ortes (s.u.) hinweisen oder als „abgesperrter Raum“ bzw. „Festung“ zu verstehen sein (vgl. Görg, Manfred 1974b, 79; Gaß, Erasmus 2005a, 109).
Außerbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
Geser ist außerbiblisch in vorhellenistischer Zeit vor allem in ägyptischen Listen und den Amarnabriefen erwähnt. Daneben findet sich ein Beleg in den assyrischen Inschriften Tiglat-Pilesers III.
Erstmals erwähnt wird Geser in der Palästinaliste Thutmosis III. (vgl. Aḥituv, Shmuel 1984a, 101). Wahrscheinlich wurde Geser im Rahmen des ägyptischen Feldzugs gegen Megiddo im Jahr 1468 v. Chr. unterworfen (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 473). Die Lage der vor und nach Geser genannten Orte lässt sich nicht bestimmen (s. dazu Simons, Jan 1937a, 118; Jirku, Anton 1937a, 15-16), daher bietet der Beleg keine Hinweise auf die Lage von Geser.
In einer Inschrift im Totentempel von Theben aus der Zeit Thutmosis IV. sind in einer Inschrift Kriegsgefangene aus Geser erwähnt, die in der Nähe des Tempels angesiedelt wurden (vgl. Lance, H. Darrell 1967a, 36-37). Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zu einer auf dem Tell el-Ǧazarī gefundenen keilschriftlichen Tafel (zur Tafel s. Albright, William Foxwell 1943b), in der ein namentlich nicht genannter Pharao vom Herrscher von Geser verlangt, sieben Ochsen nach Gittim zu schicken. Eventuell ist der Herrscher von Geser den Forderungen nicht nachgekommen, was zu einer Strafaktion und Kriegsgefangenen geführt hätte (vgl. Helck, Wolfgang 1968a, 165; Giveon, Raphael 1969a, 55; Rainey, Anson F. 1982b, 458); die These ist allerdings nicht frei von Spekulation. Hinweise zur Lage von Geser bieten beide Belege nicht.
Geser ist außerdem in der Ortsnamensliste Amenophis III. in Soleb belegt (vgl. Görg, Manfred 1974b, 84-86; Giveon, Raphael 1964a, 250). Die Liste erwähnt Gefangene aus Geser und anderen asiatischen Städten (vgl. Giveon, Raphael 1971a, 24-26). Die vor und nach Geser genannte Orte sind nicht zu identifizieren bzw. ausgefallen, sodass die Bestimmung der Lage nicht möglich ist.
Merenptah erwähnt auf einer Inschrift in Amada und der sog. „Israel-Stele“ die Eroberung von Geser (vgl. Aharoni, Yohanan 1984a, 193; Ortiz, Steven M. 2013a, 473). Die Eroberung der Stadt wird möglicherweise auch in einem Kriegsrelief Merenptahs dargestellt (vgl. Lance, H. Darrell 1967a, 42; Yurco, Frank J. 1997a, 28-29.38), aufgrund fehlender Beschriftung und des fragmentarischen Zustands ist diese Identifikation jedoch unsicher (vgl. Gaß, Erasmus 2019a, 110). Weiterführende Hinweise zur Lage bieten die Belege nicht.
Wahrscheinlich hat sich der Ortsname fragmentarisch in der Liste Schoschenqs I. erhalten (vgl. Aḥituv, Shmuel 1984a, 101-102; Wilson, Kevin A. 2005a, 105-106). Weiterführende Hinweise zur Lage bietet der Beleg nicht, da der nachfolgende Ort Rubute nicht sicher lokalisiert werden kann.
Geser ist mehrfach in den Amarnabriefen belegt (s.o.). In den Briefen wird vor allem von verschiedenen politischen Konflikten zwischen Geser, benachbarten Stadtstaaten und den Ḫapiru berichtet (eine kompakte Darstellung bieten Helck, Wolfgang 1971a, 188-190 und Rainey, Anson F. 1983a, 4-5). Nach den Briefen zu urteilen, war Geser in dieser Zeit Sitz eines Stadtfürsten unter ägyptischer Herrschaft und unterhielt mit Ägypten eine Handelsbeziehung (vgl. Aharoni, Yohanan 1984a, 17), was sich in der Bestellliste Amenophis IV. an Milkilu (EA 369) zeigt.
Daneben finden sich verschiedene Briefe aus der Hand verschiedener Herrscher der Stadt (Milkilu, Yapaḫu und Baʽlušipṭi) (HTAT, 133-136, Nr. 052-054), sowie Briefe anderer Herrscher, in denen diese Herrscher erwähnt werden. Weiterführende Hinweise zur Lage des Ortes bieten die Belege jedoch nicht.
Auf einem Relief im Palast von Nimrud wird wahrscheinlich die Eroberung der Stadt durch Tiglat-Pileser III. dargestellt (vgl. Reich, Ronny / Brandl, Baruch 1985a, 41; Wolff, Samuel R. 2021a, 75), da sich neben der Abbildung eine Inschrift mit dem Namen der Stadt fand (vgl. Bagg, Ariel M. 2017a, 74-75). Auch wenn die Eroberung Gesers in den Inschriften Tiglat-Pileser III. fehlt, ist es aufgrund des archäologischen Befunds wahrscheinlich, dass Geser im Jahr 734 v. Chr. erobert und zerstört wurde (vgl. Webster, Lyndelle C. u.a. 2023a, 3).
Biblische Belege
Nach Jos 10,33 handelt es sich bei Geser um eine alte kanaanäische Stadt, deren König Horam der Stadt Lachisch gegen Josua zur Hilfe eilt, dann aber selbst von diesem besiegt wird. Eine Eroberung Gesers wird allerdings nicht geschildert. In der Liste der besiegten Könige (Jos 12) wird Geser ebenfalls als alte kanaanäische Stadt erwähnt, die von Josua besiegt wurde (Jos 12,12). In beiden Belegstellen wird Geser im Umfeld von Orten v.a. aus dem Süden Judas (Lachisch, Geder, Debir u.a.) genannt. Da die anderen Belege Geser jedoch alle ins Gebiet des Nordreiches verorten, passt Geser an diesen Stellen nicht in den topographischen Kontext. Diese beiden Belegstellen können daher auch nicht bei Identifikation von Geser helfen.
Geser wird in der Grenzbeschreibung der Söhne Josefs (Jos 16,3) erwähnt, wurde aber wahrscheinlich erst sekundär eingefügt (vgl. Rösel, Hartmut N. 2011a, 271; Gaß, Erasmus 2019a, 168-169.179). Geser folgt in der Liste auf Unter-Bet-Horon (Bet-Horon, unteres); nach Geser verläuft die Grenze bis zum Meer. Geser muss folglich zwischen den beiden Punkten zu finden sein. Zum Gebiet der Josefsstämme hat Geser aber wahrscheinlich nicht gehört, sondern die Grenze lief nur bis an das Gebiet der Stadt heran (vgl. BRL2, 90).
In 1Chr 7,28 wird Geser in der Grenzbeschreibung Ephraims erwähnt. In der Liste wird Geser lammaʿarām („gegen Sonnenuntergang“) von Bet-El lokalisiert. Folglich muss Geser westlich von Bet-El liegen.
Auch wenn Geser durch Josua besiegt und zerstört wurde (s.o.), wohnten weiterhin Kanaanäer in Geser (Jos 16,10; Ri 1,29). Geser gehört also zu den nicht eroberten kanaanäischen Städten. Weiterführende Angaben zur Lage von Geser lassen sich beiden Stellen aber nicht entnehmen.
Geser gehört trotz der fehlenden Eroberung zu den (kehatitischen) Levitenstädten (Jos 21,21; 1Chr 6,52). Geser wird dabei zwischen Sichem und Kibzajim (Jos 21,21) bzw. Jokmeam (1Chr 6,52) genannt. Dennoch sind die Angaben für eine nähere Bestimmung der Lage von Geser nicht hilfreich: die Lage von Kibzajim ist nicht sicher zu bestimmen (s. dazu Naʾaman, Nadav 1986a, 221) und die Verortung zwischen Jokmeam und Sichem würde Geser an die Nordgrenze Manasses rücken, während in Jos 16,3 (und auch 1Chr 7,28) eine Lage an der Südgrenze der Söhne Josefs vorausgesetzt wird.
Unter David kam es zu mehreren Kämpfen mit den Philistern, denen die Stadt nun gehörte. Dabei fanden die Kämpfe entweder bei Geser statt (1Chr 20,4; in der Parallelstelle 2Sam 21,18-19 wird allerdings der Ort Gob genannt s. dazu Eissfeldt, Otto 1943a, 120-122) oder aber David schlug die Philister von Gibeon bis Geser (2Sam 5,25; 1Chr 14,16). Von einer Eroberung Gesers durch David wird in der Bibel aber nicht berichtet und so bleibt unklar, ob die Stadt durch David oder Salomon unter israelitische Herrschaft kam, denn 1Kön 9,15 berichtet dann unvermittelt vom Ausbau der Stadt durch Salomon. Daraufhin wurde die Stadt durch einen namentlich nicht genannten Pharao zerstört (wahrscheinlich Schoschenq – s. dazu Lipiński, Edward 2006a, 100; Levin, Yigal 2012a, 50), der auch die restlichen Kanaanäer erschlug bevor er die Stadt als Mitgift seiner Tochter an Salomon wieder zurückgab (1Kön 9,16). Daraufhin werden erneut Bautätigkeiten in Geser erwähnt (1Kön 9,17). Die in 1Kön 9,15 genannten Orte (Megiddo, Hazor, Jerusalem) sind aber zu weit voneinander entfernt, um bei einer Identifikation hilfreich zu sein. Die Belege zu den Philistern liefern auch keine weiterführenden Hinweise. In 1Kön 9,17 folgt auf Geser Unter-Bet-Horon, was zur Angabe aus Jos 16,3 passt.
Außerbiblische Belege ab hellenistischer Zeit
In den Makkabäerbüchern ist Geser mehrfach belegt (s.o.). Geser dient dabei mehrfach als Fluchtpunkt der seleukidischen Armee (1Makk 4,15; 1Makk 7,45; in 2Makk 10,32 dient Geser dem Ammoniter Timotheus als Fluchtort) und wird von den Seleukiden dann auch befestigt (1Makk 9,52). In 1Makk 13,43-48; 1Makk 13,53 wird die Belagerung und Eroberung von Geser durch Simon Makkabäus um 142 v. Chr., sowie die anschließende (erneute) Befestigung der Stadt geschildert (dies wird in 1Makk 14,7 und 1Makk14,34 wiederholt). Unter Johannes Hyrkan wird Geser dann als Hauptquartier und Residenzort genutzt (1Makk 16,1; 1Makk 16,19; 1Makk 16,21). Weiterführende Hinweise zur Lage von Geser fehlen.
Geser ist mehrfach bei Flavius Josephus belegt, wobei es sich v.a. um Paraphrasen der biblischen Belege handelt. Lediglich antiquitates XIII,261 weicht davon ab und berichtet von einer jüdischen Gesandtschaft nach Rom, die die Römer darum bittet, Geser (neben anderen Städten) von den Seleukiden zurückzuerobern. Geser scheint also einige Zeit nach der Eroberung durch die Makkabäer wieder in seleukidische Hand geraten zu sein (vgl. Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 248-249). Weiterführende Hinweise zur Lage von Geser bieten die Belege nicht.
Im Onomastikon ist Geser zweimal belegt. Einmal wird nur 2Sam 5,25 paraphrasiert (Timm, 87,6-7 Nr.346). Das andere Mal identifiziert Eusebius den biblischen Ort mit einem Dorf namens Γαζάρα (lat. Gazara), das am vierten Meilenstein nördlich von Nikopolis (= ʿAmwās; 1490.1380) liegt (Timm, 81,2-5 Nr.315).
Geser wird auch in den Homilien des Origines erwähnt, wobei jedoch nur Jos 16,10 paraphrasiert wird und der Name volksetymologisch gedeutet wird.
Geser ist außerdem in der rabbinischen Literatur belegt, wobei sich mehrere Schreibweisen des Namens finden (s.o.). Der Ortsname ist dabei jedoch Teil unterschiedlicher Personennamen, sodass sich keine weiterführenden Hinweise auf die Lage des Ortes aus den Belegen gewinnen lassen.
In der älteren Forschung wurde Geser teilweise mit dem Ort namens Γαδαρα bei Georgios Kyprios und Γαδαρις bei Strabo identifiziert (s. dazu Gelzer, Heinrich 1894a, 38-41; Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 241.249-250). Bei den genannten Orten handelt es sich jedoch um Gadara, die Hauptstadt Peräas (vgl. Schlatter, Adolf 1893a, 44-51; Schlatter, Adolf 1895a, 76-79 Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 60-61.63).
Lokalisierung/Archäologie
Nach der Entdeckung durch Clermont-Ganneau im Jahr 1871 wurde der Tell el-Ǧazarī in der Forschung durchweg mit dem biblischen Geser identifiziert (vgl. Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 6-8.66; Noth, Martin 1971a, 236; Aḥituv, Shmuel 1984a, 102; Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2012a, 4; uvm.). Die Identifikation basiert zum einen darauf, dass der alte Name des Hügels (Tell el-Ǧazarī) beim arabischen Chronisten Mugir ad-Din gefunden wurde (vgl. LeStrange, Guy 1890a, 543; Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 251-255); zum anderen ist die Identifikation durch die (mittlerweile dreizehn) gefundenen bilingualen (hebräisch-griechischen) Grenzsteine gesichert, die den Namen Geser enthalten und aus hasmonäischer Zeit stammen (vgl. Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 86-87; Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2012a, 4; zu den Grenzsteinen s. Mitchell, Eric u.a. 2014a).
Die Lage des Siedlungshügels passt außerdem zu den wichtigsten biblischen Belegen (Jos 16,3; 1Chr 7,28; 1Kön 9,17), allerdings nicht zu den Angaben des Onomastikons, da der Tell westlich und nicht nördlich von Nikopolis liegt. Da die Identifikation durch die Grenzsteine aber eindeutig ist, liegt hier wahrscheinlich eine fehlerhafte Angabe des Onomastikons vor (vgl. Röwekamp, Georg 2017a, 164 Anm. 294; andere Erklärungen bei Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1882a, 417 und Clermont-Ganneau, Charles 1896a, 255-257).
Der Tell el-Ǧazarī ist etwa 12ha groß und besteht aus einem östlichen und einem etwas höher gelegenen westlichen Hügel, wobei sich zwischen den Hügeln eine Absenkung befindet (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 468). Die Quelle ʿĒn Yarda befindet sich unmittelbar südöstlich des westlichen Hügels und liefert – außer in den Sommermonaten – durchgehend Wasser. Daneben finden sich noch weitere nur saisonal oder nach Starkregen nutzbare Quellen in der Umgebung (vgl. Yechieli, Yoseph u.a. 2025a, 93). In der Umgebung finden sich außerdem Alluvium-Böden, die für den Anbau von Getreide sehr gut geeignet sind (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 468). Die Lage des Siedlungshügels am Ajalontal bot eine gute Verkehrsverbindung ins Landesinnere; außerdem lag der Tell unweit der wichtigen Nord-Süd-Verbindung der Küstenstraße (vgl. Aharoni, Yohanan 1984a, 26.31).
Auf dem Tell el-Ǧazarī fanden seit dem Beginn des 20. Jh. mehrere Ausgrabungen statt (s. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2019a, 62-64; Webster, Lyndelle C. u.a. 2023a, 4-5). Die ersten Ausgrabungen unter Macalister fanden in den Jahren 1902 bis 1905 und 1907 bis 1909 statt. Im Jahr 1934 folgte eine kurze Ausgrabung unter Rowe. Das "American Gezer Project" führte zwischen 1964 und 1990 unter unterschiedlicher Leitung mehrere Ausgrabungen durch. Im 21. Jahrhundert fanden dann mehrere Ausgrabungen durch das "Tandy Institute of Archaelogy" unter der Leitung von Ortiz und Wolff statt. Außerdem ist das amerikanisch-israelische “Gezer Water Project” zu erwähnen, welches das bereits von Macalister entdeckte Wassersystem von Geser erneut untersucht (zur Ausgrabungsgeschichte s. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2019a, 62-64).
Erste Siedlungsspuren auf dem Tell stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jt. v. Chr. (vgl. Dever, William G. 1997a, 396). Diese Siedlung wurde im Laufe der Zeit vergrößert und erstrecke sich in der Frühbronzezeit II über den ganzen Siedlungshügel (vgl. NEAEHL, 498). Nach einer Siedlungslücke wird der Tell dann am Beginn des 2. Jt. v. Chr. wieder besiedelt (vgl. Dever, William G. 1997a, 396).
In der Mittleren Bronzezeit II liegt einer der Siedlungshöhepunkte, als der Platz ein lokales Zentrum war. Die Stadt war von einer vier Meter dicken Mauer umgeben. Zur massiven Befestigung der Siedlung trugen außerdem zahlreiche Türme, ein Stadttor und ein Glacis bei (vgl. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2017a, 67-68). Aus dieser Zeit stammt ein Wassersystem, das die Wasserversorgung der Stadt im Belagerungsfall sicherte (vgl. Warner, Daniel A. u.a. 2015a, 61-62), sowie ein Platz mit zehn nebeneinander stehenden Monolithen unterschiedlicher Größe, deren Deutung umstritten ist (s. dazu Ortiz, Steven M. 2013a, 469-470). Die mittelbronzezeitliche Stadt wird 1468 v. Chr. durch Thutmosis III. zerstört und vorerst verlassen (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 470). In der Spätbronzezeit II findet sich dann wieder eine größere Siedlung auf dem Tell, wobei neben verschiedenen Gebäuden auch ein Palast ausgegraben wurde; die Stadt wurde von Merenptah zerstört (vgl. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2022a, 48-54; Ortiz, Steven M. 2023a, 732-734).
In der Eisenzeit I wurden zunächst nur der westliche Hügel des Tells wiederbesiedelt und auch befestigt (vgl. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2012a, 5.12; Webster, Lyndelle C. u.a. 2023a, 10). Diese Stadt wurde in der frühen Eisenzeit IIA zerstört (vgl. Ortiz, Steven M. 2023a, 734-735) und anschließend im 10./9. Jh. v. Chr. mit Befestigungsanlagen (Kasemattenmauer, Glacis, Sechs-Kammer-Tor mit zwei an das Tor angeschlossenen Türmen) wieder aufgebaut (vgl. Ortiz, Steven M. 2023a, 735-737). Diese Befestigungen bestanden bis zur Zerstörung der Stadt durch Tiglat-Pileser III., wobei das Tor im 9. Jh. v. Chr. zu einem Vier-Kammer-Tor umgebaut wurde (vgl. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2017a, 95; Cogan, Mordechai 2015a, 96-99). An das Tor war ein Areal angeschlossen, das zunächst administrativen Zwecken diente (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 472). Nach der teilweisen Zerstörung der Stadt durch Schoschenq I. wurde es zu einem Wohndistrikt umgebaut, bis – nach einer Zerstörung durch die Aramäer im 8. Jh. v. Chr. – wieder administrative Gebäude an dieser Stelle errichtet wurden (vgl. Ortiz, Steven M. 2023a, 738-741). Nach der Zerstörung durch Tiglat-Pileser III. findet sich nur noch eine kleine Siedlung auf dem Tell, die von den Babyloniern am Beginn des 6. Jh. v. Chr. zerstört wurde (vgl. Dever, William G. 1997a, 399).
In der hellenistischen Zeit bestand wieder eine größere Siedlung auf dem Tell, die durch die wiedererrichtete Mauer befestigt war (vgl. Ortiz, Steven / Wolff, Samuel 2012a, 9). Bei den Ausgrabungen wurde möglicherweise eine Mikwe entdeckt, die auf jüdisches Leben vor Ort hindeuten würde (vgl. Ortiz, Steven M. 2013a, 472).
Aus der frühen römischen Zeit stammen die für die Identifikation von Geser wichtigen griechisch-hebräischen Grenzinschriften (vgl. Jacobson, David M. 2015a, 83-85). Geser war wahrscheinlich schon keine eigenständige Stadt mehr, sondern Teil eines größeren Landguts; der Tell war in dieser Zeit nur spärlich besiedelt (vgl. Dever, William G. 1997a, 400).
Autor: Jakob M. C. Luz y Graf, 2026; letzte Änderung: 2026-07-08 17:25:27
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Lexikonartikel
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BHH
1 (1962), 559 (Elliger, Karl, Art. Geser)
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LÄ
2 (1975), 595-596 (Grieshammer, R.; Art. Gezer)
-
BRL2
(1977), 90-93 (Kempinski, Aharon; Art. Geser)
-
NBL
1 (1991), 823-825 (Görg, Manfred; Art. Geser)
-
LThK3
4 (1994), 579 (Hübner, Ulrich, Art. Geser)
-
RGG4
3 (1998), 842-843 (Hübner, Ullrich; Art. Geser)
-
WiBiLex
(2006) (Van der Veen, Peter; Art. Geser)
-
EBR
10 (2015), 178-181 (Ortiz, Steven M. / Wolff, Sam, Art. Gezer)
Literatur
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Dillmann, August 1886a , 493 ;
LeStrange, Guy 1890a , 543 ;
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Steuernagel, Carl 1900a , 193 ;
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Noth, Martin 1953a , 101.144 ;
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Kallai-Kleinmann, Zecharia 1958a , 153-154 ;
De Buit, Michel 1958a , 201-202 ;
Simons, Jan 1959a , 165-166.284§523.373-374.403§1117 ;
Alt, Albrecht 1959c , 142-143 ;
Hallo, William W. 1960a , 49-50 ;
Schunck, Klaus-Dietrich 1963a , 147-148 ;
Herrmann, Siegfried 1964a , 59 ;
Giveon, Raphael 1964a , 250 ;
Millard, Alan R. 1965a ;
Baly, Denis 1966a , 183 ;
Lance, H. Darrell 1967a ;
Ross, James F. 1967a ;
Helck, Wolfgang 1968a , 165.190.220 ;
Green, Alberto R. 1968a ;
Borée, Wilhelm 1968a , 23 ;
Fritz, Volkmar 1969a , 146 ;
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