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Lus

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Luz

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

(ה)לוז lûz(āh). Λουζα, Ουλαμλους. „Mandelbaum“

Belege AT

Gen 28,19; Gen 35,6; Gen 48,3; Jos 16,2; Jos 18,13; Ri 1,23

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Λουζα (Eusebius, Onomastikon 120,8: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 115, Nr. 624; Timm, Stefan 2017a, 152f, Nr. 627;  Mosaikkarte von Mādebā: Donner, Herbert 1992a, 51, Nr. 45)
Ουλαμμαυς (Eusebius Onomastikon 40,21: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 43, Nr. 192; Timm, Stefan 2017a, 50f, Nr. 192)

Beschreibung

Lus soll entweder der alte Name von Bet-El (Gen 28,19; Ri 1,23) oder mit Bet-El identisch sein (Gen 35,6; Jos 18,13). In dieser Weise ist auch Gen 48,3 zu deuten, obwohl hier nur der Ortsname Lus ohne einen Verweis auf Bet-El verwendet ist. Der Textzusammenhang in Gen 48,3-4 weist auf Gen 28,10-22, v.a. jedoch auf Gen 35,1-15 zurück, also auf die beiden Erzählungen, die in Lus/Bet-El lokalisiert sind. Dabei entspricht die Wendung „Lus im Land Kanaan“ von Gen 48,3 dem Sprachgebrauch von Gen 35,6. Lediglich Jos 16,2 scheint mit Lus ein von Bet-El zu unterscheidender Ort gemeint zu sein. Der Vers ist Teil der Beschreibung der Südgrenze des Stammesgebiets von Efraim (Jos 16,1-3). Die Wendung in Vers 2 wejāṣā’ mibbêt-’el lûzāh wird meist folgendermaßen übersetzt: „und sie [die Grenze] geht aus von Bet-El nach Lus“ (Noth, Martin 1953a, 96; Fritz, Volkmar 1994a, 168; Rösel, Hartmut N. 2011a, 269). Die Form lûzāh wird dabei als Ortsname mit he-locale aufgefasst. LXX liest demgegenüber Βαιθηλ Λουζα als Kompositnamen Bet-El-Louza. Diesem Verständnis ist der Vorzug zu geben, da in der Beschreibung der Nordgrenze des benjaminitischen Territoriums Jos 18,12-14, die teilweise mit Jos 16,1-3 identisch ist, die Form lûzāh in der Verbindung ’æl-kætæp lûzāh „zum Bergrücken von Louza“ ebenfalls nur als Eigenname ohne angehängtes he-locale zu interpretieren ist. Daher ist Lus in allen Textbelegen mit Bet-El identisch. Der Ortsname Lus wurde vielleicht zeitweise anstelle oder neben Bet-El verwendet. Ein solcher Fall liegt bei den Toponymen Mamre und Kirjat-Arba im Verhältnis zu Hebron vor. Vermutlich ist Lus jedoch eine aus Gen 30,37 abgeleitete literarische Bildung. Der in diesem Vers erwähnte Mandelbaum (hebräisch lûz), dessen Zweig Jakob schält, um die Zeugungslust seiner Tiere zu befördern, dient als Anhaltspunkt für einen symbolischn Ortsnamen. Während der historische Ortsname Bet-El „Haus Gottes“ die kultisch vermittelte Präsenz Gottes betont (Gen 28,15-18; Gen 35,13-14), steht Lus für den Aspekt der Segenszusage an Jakob/Israel (Gen 28,13-14; Gen 35,11-12; vgl. Jericke, Detlef 2008b). Die hier vorgetragene Deutung schließt die von Sternberg (Sternberg, Georg 1915a) und Noth (Noth, Martin 1935a, 13f = Noth, Martin 1971a, 215f) entwickelte und in der Folge häufig aufgenommene These aus, Bet-El und Lus seien ursprünglich zwei verschiedene Orte gewesen. Dabei sei Bet-El ein offenes Heiligtum gewesen, das außerhalb der Stadt Lus lag. Erst nach der Aufwertung des Heiligtums durch den ersten israelitischen König Jerobeam I. am Ende des 10. Jh. v.Chr. sei der Name Bet-El auch auf die Stadt übertragen worden. Daher wurde Lus in Bētīn, Bet-El dagegen ca. 700 m weiter östlich auf Burǧ Bētīn (1733.1477) lokalisiert. Diese These scheitert nicht zuletzt daran, dass auf Burǧ Bētīn keine Reste zu finden sind, die in die alttestamentliche Zeit weisen. Der Platz weist lediglich die Ruine eines Turms aus der Kreuzfahrerzeit und einen rechteckigen ummauerten Platz auf. In Turm und Mauer sind einige Spolien aus byzantinischer Zeit verarbeitet. Ausgrabungen in Bētīn belegen eine Siedlungsgeschichte, die von der Frühbronzezeit (Ende 4. Jt. v.Chr.) bis in die byzantinische Zeit reicht. Die Überreste der Eisenzeit I und II (12.–6. Jh. v.Chr.) sind spärlich und demnach schwierig zu interpretieren. Phasen intensiverer Besiedlung lagen vermutlich im 11. Jh. v.Chr. und im 8./7. Jh. v.Chr. (Finkelstein, Israel / Singer-Avitz, Lily 2009a). Danach scheint in der hellenistischen Zeit ab dem 3. Jh. v.Chr. die Bedeutung der Siedlung wieder gewachsen zu sein.  (s. auch Bet-El).
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:02:21

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1115 (Elliger, Karl, Art. Lus)
  • BRL2 (1977), 44f (Wüst, Manfried, Art. Bethel)
  • NBL 1 (1991), 281f (Görg, Manfred, Art. Bet-El); 2 (1995), 676 (Görg, Manfred, Art. Lus)
  • ABD 4 (1992), 420 (Toews, Wesley I., Art. Luz)
  • RGG4 1 (1998),1375f (Knauf, Ernst Axel, Art. Bethel)
  • WiBiLex 2010 (Koenen, Klaus, Art. Bethel [Ort])
  • EBR 3 (2011), 967-975 (Killebrew, Ann E., Art. Bethel [North of Jerusalem])

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 84 ;  Sternberg, Georg 1915aSchneider, Alfons Maria 1934aNoth, Martin 1935a , 13f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 371 ;  Noth, Martin 1971a , 215f ;  Hüttenmeister, Frowald / Reeg, Gottfried 1977a , 615‒617 ;  Schmitt, Götz 1980aSeebass, Horst 1984aKeel, Othmar u.a. 1984a , 297–303 ;  Nauerth, Claudia 1985aKallai, Zecharia 1991aElitzur, Yoel 1991aFritz, Volkmar 1994a , 171 ;  Tsafrir, Yoram u.a. 1994a , 172 ;  Diebner, Bernd Jørg 2001aBlenkinsopp, Joseph 2003a , 93f ;  Koenen, Klaus 2003a , 21–26 ;  Gaß, Erasmus 2005a , 76−82 ;  Jericke, Detlef 2008bRösel, Hartmut N. 2011a , 269f ;  Jericke, Detlef 2013a , 186f ;  Taha, Hamdan / Sugimoto, David 2013a