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Hazar-Addar

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

חצר־אדר ḥaṣar-ʾaddar. ἡ ἔπαυλις Ἀραδ

Belege AT

Num 34,4

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Ἀραδ (Eusebius, Onomastikon: Timm16,1f, Nr. 34; Klostermann  14,14f: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 15, Nr. 34)

Beschreibung

Name 

Hazar-Addar wird als Fixpunkt bei der Beschreibung der Südgrenze Kanaans (Num 34,3-5) genannt. Die diesem Text weitgehend paralle Beschreibung der Südgrenze Judas (Jos 15,2-4) nennt statt Hazar-Addar die zwei Toponyme Hezron und Addar (Jos 15,3). Im historisch-topographischen Sinn dürfte die Version im Numeribuch zuverlässiger sein. Mehrfach sind im Alten Testament mit dem Ausdruck Hazar „Einfriedung“ zusammengesetzte Ortsnamen belegt, u.a. Hazar-Enan (Num 34,9-10), Hazar-Gadda (Jos 15,27), Hazar-Schual (Jos 15,28) oder Hazar-Susa (Jos 19,5). Addar begegnet nicht als eigenständiger Name, sondern nur in der ebenfalls zusammengesetzten Form Atrot-Addar (Jos 16,5; Jos 18,13). Zudem wird Hezron außer in Jos 15,3 immer als Personenname gebraucht. Daher ist davon auszugehen, dass Hazar-Addar die ältere Namensform ist bzw. dass Hezron und Addar literarisch sekundär aus Hazar-Addar gebildet wurden (Rösel, Hartmut N. 2011a, 238).
LXX hat in Num 34,4 „Lager/Gehöft Arad“ für Hazar-Addar. Bei dieser Lesart sind vermutlich die beiden letzten Konsonanten von Addar vertauscht. So wird das in hellenistischer Zeit der Lage nach unbekannte Hazar-Addar mit dem Ort Arad in Verbindung gebracht, der im 1. Jt. v. Chr. die Südgrenze des permanent besiedelten Landes markiert. Eusebius folgt der Interpretation der LXX.

Altes Testament

Num 34,4 nennt Hazar-Addar zwischen der im südlichen Negeb gelegenen Oase Kadesch-Barnea (ʿAin el-Qudērāt / Tell el-Qudērāt) und Azmon, das möglicherweise mit der „Aharoni Fortress“ beim heutigen ägyptischen Grenzposten Quṣēme ca. 6 km westlich von ʿAin el-Qudērāt zu suchen ist. Hazar-Addar sollte demnach zwischen ʿAin el-Qudērāt und Quṣēme liegen. Dabei ist nach einem Platz zu suchen, der vom Aussehen her dem alttestamentlichen Namen in etwa entpricht, d.h. nach einer umfriedeten, nach Außen hin klar abgeschlossenen Anlage.

Lokalisierung

Die ovale, auf einem erhöhten Plateau gelegene Siedlung aus dem 10. Jh. v.Chr. bei der östlich von ʿAin el-Qudērāt gelegenen ʿAin Qudēs, das sogenannte ʿAin Qudēs Fort (vgl. Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 184f; Jericke, Detlef 1997a, 103f), kommt zwar vom Aufbau her für eine Gleichsetzung mit Hazar-Addar in Frage (Aharoni, Yohanan 1967a, 8; Cohen, Rudolph 1978a, 429; Aharoni, Yohanan 1984a, 72); der Platz liegt jedoch östlich von Kadesch-Barnea, was der Reihenfolge der Grenzpunkte in Num 34,3-5 widerspricht, die auf auf eine Lage von Hazar-Addar westlich von Kadesch-Barnea schließen lässt. Auch die punktuell geäußerte Erwägung, Hazar-Addar auf Tell el-Qudērāt, dem zentralen Siedlungsplatz in der Quelloase von ʿAin el-Qudērāt (Abel, Félix-Marie 1938a, 344; Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 316f) zu lokalisieren, hilft nicht weiter, da auf dem Tell Kadesch-Barnea zu finden ist.
Bei Oberflächenuntersuchungen wurde ca. 700 m südwestlich des Tell el-Qudērāt auf einem Bergvorsprung eine Ortslage entdeckt, deren auffälligstes Kennzeichen eine kasemattenartige Umfassungsmauer ist, die ein unregelmäßiges Oval von ca. 40 x 20 m bildet, wobei der Innenbereich der Siedlung unbebaut blieb (Jericke, Detlef 1997a, 94.99–101 [dort KB 46/01]; Haiman, Mordechai 2007a, 325, Site 44). In jüngeren Publikationen wird sie Meṣudat Wādi el-Qudērāt (Mezudat Wadi el-Qudeirat) genannt (Cohen, Rudolf / Cohen-Amin, Rebecca 2004a, 6*.106f). Mit einiger Sicherheit ist die Anlage in das 10./9. Jh. v.Chr. zu datieren. Darüber hinaus lässt sich die architektonische Struktur mit der Wortbedeutung von Hazar „Einfriedung“ verbinden. Ebenso entspricht die Lage westlich von Tell el-Qudērāt (Kadesch-Barnea) der Anordnung der Toponyme in Num 34,4-5, wenn man von der Gleichsetzung von Azmon mit Quṣēme ausgeht, was allerdings nicht völlig gesichert ist. Daher steht hinter der Lokalisierung von Hazar-Addar auf Meṣudat Wādi el-Qudērāt ein Fragezeichen.
Weniger problematisch erscheint die Beobachtung, dass mehrere Grenzmarkierungen (Hazar-Addar, Azmon) bei Kadesch-Barnea liegen, während die nachfolgend in Num 34,5 genannten Toponyme, der in das Mittelmeer mündende Grenzbach Ägyptens und das Mittelmeer selbst, in größerer Entfernung von Azmon liegen. Eine solche ungleiche Verteilung der angegebenen Grenzmarkierungen ist in dem wüstenartigen Gebiet am Südrand des Negeb, in dem lediglich die Quelloasen besiedelt waren, nicht ausgeschlossen. Außerdem ist davon auszugehen, dass das Gebiet um Kadesch-Barnea in alttestamentlicher Zeit vergleichsweise gut bekannt war, so dass man eine Reihe von Toponymen aus der näheren Umgebung für die Grenzbeschreibung verwenden konnte.

 

Autor: Detlef Jericke, 2022; letzte Änderung: 2023-11-22 17:02:05

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • NBL 2 (1995), 149f (Görg, Manfred, Art. Hezron)
  • ABD 3 (1992), 194 (Kotter, Wade R., Art. Hezron [Place])
  • EBR 1 (2009), 371 (Ngwa, Kenneth Numfor, Art. Addar [Place]); 11 (2015), 1011 (Olson, Dennis T., Art. Hezron [Place])

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 344 ;  Noth, Martin 1953a , 87 ;  Simons, Jan 1959a , 135–137 § 311 ;  Rothenberg, Beno 1960a , 14 ;  Rothenberg, Beno u.a. 1961a , 38.127f ;  Noth, Martin 1966a , 215 ;  Aharoni, Yohanan 1967a , 8 ;  Noth, Martin 1977a , 215 ;  Cohen, Rudolph 1978a , 429 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 178 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 72 ;  Fritz, Volkmar 1994a , 159 ;  Jericke, Detlef 1997a , 94.99–101 ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 316f ;  Schmidt, Ludwig 2004a , 211 ;  Haiman, Mordechai 2007a , 325 ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 54-56 ;  Tebes, Juan Manuel 2017aTebes, Juan Manuel 2023a , 557f ;