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Salzmeer

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Totes Meer; Meer der Araba; Östliches Meer; Asphaltsee; Salt Sea; Dead Sea; Eastern Sea; En-Boqeq

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

ים המלח jām hammælaḥ. ἡ θάλασσα τῶν ἁλῶν, ἡ θάλασσα ἡ ἁλυκή

Belege AT

Gen 14,3; Num 34,3; Num 34,12; Dtn 3,17; Jos 3,16; Jos 12,3; Jos 15,2; Jos 15,5; Jos 18,19; Meer der Araba: Dtn 4,49; 2Kön 14,25

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Ἀσφαλτιτις λιμνη (Diodorus Siculus 2,48; 19,98f; Josephus passim: Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 27)
asphaltitis lacus (Plinius, naturalis historia 5,15,71f)
mare Sodomiticum (4Esr 5,7: JSHRZ V/4, 325)
θάλασσα νεκρὰ (Pausanias: Stern, Menahem 1980a, 194; Galenus: Stern, Menahem 1980a, 317)
θάλαττα νεκρὰ (Julius Africanus: MignePG 10, 69)
θάλασσα ἡ ἁλυκή ἡ καλουμένη νεκρὰ καὶ ἀσφαλτῖτις (Eusebius, Onomastikon: Timm 125,9f § 505; Klostermann 100,4-6; Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 96 § 503)
ἡ νεκρὰ θάλασσα (Eusebius, Onomastikon, passim)
mare mortuum (Hieronymus, In Ezechielem 47,18: MignePL 25, 478; Hieronymus, In Ioelem 3,18: MignePL 25, 987; Itinerarium Burdigalense 19: Geyer, Paulus 1898a, 24; Donner, Herbert 2002a, 61; Etheria 12,4.7.10: Geyer, Paulus 1898a, 53−55; Röwekamp, Georg / Thönnes, Dietmar 1995a, 170−174; Donner, Herbert 2002a, 107−109; Eucherius 12.19: Geyer, Paulus 1898a, 128−130; Donner, Herbert 2002a, 172.175; Theodosius 20: Geyer, Paulus 1898a, 146; Donner, Herbert 2002a, 206; Arkulf/Adomnanus 2, XVIIf.XX: Geyer, Paulus 1898a, 266−269; Donner, Herbert 2002a, 362−366)
mare salinarum (Eucherius 19: Geyer, Paulus 1898a, 129f; Donner, Herbert 2002a, 175; Antoninus Placentinus 10.24.34: Geyer, Paulus 1898a, 166.176.181; Donner, Herbert 2002a, 252.268.279)
[Αλ]υκη/Ασφαλτιτις λιμνη/[Νεκ]ρα Θαλασσα (Mosaikkarte von Mādebā: Donner, Herbert 1992a, 42, Nr. 17)
jm hmlḥ / jmh šl sdwm (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 297f.306)

Beschreibung

Die Bezeichnung Salzmeer wird v.a. in Grenzbeschreibungen verwendet. Meist kennzeichnet er das südliche Ende der Ostgrenze und den Ausgangspunkt der Südgrenze des von den Israeliten beanspruchten Landes. An zwei Stellen tritt neben den Namen Salzmeer die Bezeichnung „Meer der Araba“  jām hā‘arābāh (Dtn 3,17; Jos 3,16), die auch ohne Verweis auf das Salzmeer gebraucht wird (Dtn 4,49; 2Kön 14,25). Während der Ausdruck Salzmeer auf den hohen Salzgehalt (26–33%) des Toten Meers anspielt, kennzeichnet „Meer der Araba“ die Lage am tiefsten Punkt des Grabenbruchs, der den Jordangraben und seine südliche Fortsetzung bis hin zum Roten Meer umfasst und der im Alten Testament Araba genannt wird. Auch der in profetischen Schriften verwendete Name „östliches Meer“ (Ez 47,18; Jo 2,20; Sach 14,8) meint das Tote Meer im Gegensatz zum „westlichen Meer“, dem Mittelmeer (Meer, großes). Der in der griechisch-römischen Antike gebräuchliche Name „Asphaltsee“ bezieht sich darauf, dass v.a. nach Erdbeben Asphalt an die Seeoberfläche gelangt. Dieser Rohstoff wurde zum Abdichten etwa im Schiffbau (vgl. Gen 6,14), als Basis für medizinische und kosmetische Produkte und zur Einbalsamierung von Leichen verwendet. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Seleukiden und den mit den Nabatäern verbündeten Ptolemäern um die Kontrolle des Asphaltabbaus am Toten Meer zeigen, dass der Asphalthandel ein einträglicher Wirtschaftszweig war (Diodorus Siculus 2,48; 19,18; auch Strabon [16,2,42-44] beschreibt die Asphaltgewinnung, erwähnt auch Sodom in diesem Zusammenhang, nennt das Gewässer allerdings ἡ δὲ Σιρβωνὶς λίμνη „der Sirbonische See“  [16,2,42], also mit dem antiken Namen der Lagune Ṣabḫat el-Bardawīl an der Mittelmeerküste der Sinaihalbinsel, die mitunter zur Gleichsetzung mit dem Schilfmeer vorgeschlagen wird.). Aus römischer Zeit ist bekannt, dass Schiffe auf dem „Asphaltsee“ fuhren (Josephus, bellum 4,437−439). Noch die Mosaikkarte von Mādebā zeigt zwei Boote auf dem See. Danach ist Schiffsverkehr erst wieder für das 19. und 20. Jahrhundert n.Chr. bezeugt. Die heute gebräuchliche Bezeichnung „Totes Meer“ ist erstmals im 2. Jh. n.Chr. bei Pausanias und Galenus belegt. Sie weist darauf hin, dass aufgrund des hohen Salzgehalts kein Leben im Wasser möglich ist. Dagegen spielt die arabische Bezeichnung Baḥr Lūt auf die Lot-Sodom-Erzählung von Gen 19 an. Der hohe Salzgehalt des Sees resultiert aus seiner Lage 400 m unter NN am tiefsten Punkt eines von Nordsyrien bis Ostafrika reichenden Grabens. Dadurch erhält das Tote Meer zwar von drei Seiten Zuflüsse, hat aber nach Süden hin keinen Abfluss. Durch die hohe Sonneneinstrahlung verdunstet viel Wasser und die Konzentration an Mineralsalzen steigt. Insgesamt ist das Tote Meer 85 km lang und bis zu 17,5 km breit. Der flache Südteil (2–6 m) ist heute durch die Lisān-Halbinsel und durch die Einrichtung künstlicher Dämme für industrielle Anlagen (Kalisalzgewinnung) vom größeren und tieferen Nordteil (bis 400 m Tiefe) abgetrennt. Erste Besiedlungsspuren an den Ufern des Toten Meers sind aus dem Neolithikum und aus dem Chalkolithikum bekannt. Die Hauptbesiedlungsphasen in der Antike lagen in der Frühbronzezeit, in der späten Eisenzeit II (7.–5. Jh. v.Chr.) und in der hellenistisch-römischen Zeit ab dem 4. Jh. v.Chr.

 

Autor: Detlef Jericke, 2016; letzte Änderung: 2023-12-08 18:00:30

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 2015–2016 (Mittmann, Siegfried, Art. Totes Meer)
  • NBL 3 (2001), 910–911 (Worschech, Udo, Art. Totes Meer)
  • ABD 2 (1992), 249–250 (Lubetski, Meir, Art. Eastern Sea); 5 (1992), 907 (Astour, Michael C., Art. Salt Sea)
  • EBR 6 (2013), 336-337 (Richelle, Matthieu, Art. Dead Sea); 7 (2013), 217-218 (Westbrook, April, Art. Eastern Sea); 7 (2013), 870-871 (Werlin, Steven H., Art. En-Boqeq)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1909bAbel, Félix-Marie 1909aAbel, Félix-Marie 1911aAbel, Félix-Marie 1933a , 498–505 ;  Simons, Jan 1959a , 49–52 § 137 ;  Hammond, Philip C. 1959aOrni, Efraim / Efrat, Elisha 1980a , 97-105 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 235–247 ;  Wagner, Jörg 1983aKellermann, Mechthild u.a. 1985aHögemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aWaldmann, Helmut / Rademacher, Rochus 1987aSchmitt, Götz 1987aWagner, Jörg / Rademacher, Rochus 1988aSchmitt, Götz 1988aWeippert, Helga 1988a , Register ;  Hadas, Gideon 1990aKellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aOrth, Wolfgang 1992aKellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aKarmon, Yehuda 1994a , 263−266 ;  Tsafrir, Yoram u.a. 1994a , 179 ;  Gruson, Philippe / Baudry, Marcel 1997aAmar, Zohar 1998aZangenberg, Jürgen 1998bFrumkin, Amos / Elitzur, Yoel 2001aZwickel, Wolfgang 2002a , 95f ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 313f ;  Zangenberg, Jürgen 2010aHadas, Gideon 2011aPolitis, Konstantinos Demetrios 2012aJericke, Detlef 2013a , 219f ;  Dvorjetski, Estée 2015aKagan, Elisa Joy u.a. 2015aKreiger, Barbara 2016aPeilstöcker, Martin / Wolfram, Sabine 2019aBinder, Stéphanie E. u.a. 2019aPeilstöcker, Martin / Wolfram, Sabine 2019bJericke, Detlef 2020a , 212–214.223–228.243 ;