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Michmetat

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Michmethath

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מִכְמְתָת mikmetāt. Μαχθωθ / Ἱκασμών / Δηλαναθ
 

Belege AT

Jos 16,6; Jos 17,7

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

[URUMi-]ik-ma-te (?) (EA 257:21: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 190).

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Μαχώθ (Eusebius, Onomastikon: Klostermann 130,16; Timm 168,7, Nr.690; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 124, Nr.687)

Beschreibung

Altes Testament

Das Toponym Michmetat ist lediglich in den Grenzbeschreibungen von Ephraim und Manasse (Jos 16,6; Jos 17,7) belegt und beschreibt den nördlichsten Punkt der Grenze Ephraims. Dabei ist umstritten, ob Michmetat die Bezeichnung für eine Siedlung oder einen markanten Punkt in der Landschaft darstellt.

Etymologie

Der Name trägt die Bedeutung „rot-brauner Platz“. Dieser wird von der arabischen Wurzel kmt „rot-braun“ abgeleitet (vgl. EBR 18, 1172). Dies ergibt allerdings noch keinen Hinweis darauf, ob es sich um eine Siedlung oder einen Landschaftspunkt handelt (vgl. Elliger, Karl 1970a, 97). Auffällig ist jedoch, dass der Name in der Bibel stets mit Artikel begegnet. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Landschaftspunkt handelt (vgl. Campbell, Edward Fay 1984a, 73; Na’aman, Nadav 1986a, 152), auch wenn in Ausnahmefällen ebenfalls Ortsnamen mit Artikel erscheinen.

Jos 16,6

In Jos 16,6 setzt die Grenzbeschreibung mit Michmetat neu ein (vgl. Fritz, Volkmar 1997a, 171). Dabei verläuft die Grenze von Michmetat aus nach Osten zu den Orten Taanat-Schilo (Ḫirbet Tāna el-Fōqa) und Janoach (zumeist mit Ḫirbet Yānūn  oder Yānūn identifiziert) (vgl. Kallai, Zecharia 1986a, 159). Michmetat muss also westlich dieser beiden Orte zu finden sein.

Jos 17,7

In Jos 17,7 hat der Text einige Schwierigkeiten, die erklärt werden müssen. Zunächst verwundert der Einstieg der Grenzbeschreibung mit der Wendung me’āšer („von Ascher“), deren Deutung umstritten ist. In jedem Fall abzulehnen ist die Hypothese, dass es sich dabei um einen Ort namens Ascher handelt (so Ziese, Mark 2008a, 311). Ein Ort dieses Namens scheint zwar zur Zeit des Eusebius existiert zu haben (s. Eusebius, Onomastikon: Klostermann 26,22-24; Timm 30,6-8, Nr.93; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 29, Nr.93), jedoch ist keiner der für eine Lokalisierung vorgeschlagenen Plätze in der Eisenzeit besiedelt gewesen (vgl. Bar, Shay / Zertal, Adam 2007a, 107.201-203 zu Taiyāsīr und Bar, Shay / Zertal, Adam 2007a, 110.322-323 zu Ḫirbet Yarzah). Diskutiert wird, ob das an Manasse grenzende Stammesgebiet Aschers als Ausgangspunkt gewählt wird oder der MT hier zu korrigieren wäre. Da kein Stammesgebiet Aschers bekannt ist (vgl. EBR 18, 1172), ist hier dem erstmals von Abel gemachten Vorschlag zu folgen: dieser korrigiert in Jos 17,7-MT - ausgehend von anderen Stellen in den Landverteilungstexten (z.B. Jos 12,3) - das Resch zu Dalet, sodass nun m’šd („vom Abhang“) zu lesen ist (vgl. Abel, Félix-Marie 1936a, 105). Somit muss es sich bei Michmetat um einen Hügel oder einen Berg handeln. Die verschiedenen Orte und Täler mit denen Michmetat identifiziert wurde, sind folglich abzulehnen (so z.B. Ḫirbet Kafr Bēta, vgl. Wächter, Ludwig 1968b, 61).
Auch die Richtungsangabe ‘al-peverweist häufig auf markante Landschaftspunkte und Berge (vgl. Campbell, Edward Fay 1984a, 68), was die textkritische Änderung von Jos 17,7-MT zusätzlich unterstützt. Diese Richtungsangabe wird zumeist mit „gegenüber“ übersetzt, was ausdrücken soll, dass Michmetat sich in Sichtweite von Sichem (Tell Balaṭā) befinden würde (vgl. Elliger, Karl 1930a, 284). Bisweilen wird dies abgeschwächt, da nicht alle Belege der Richtungsangabe diese Bedeutung tragen, sodass nur „in der Nähe“ gemeint wäre (vgl. Wächter, Ludwig 1968b, 56). Michmetat sollte also zumindest in der Umgebung von Sichem zu finden sein, wenn nicht sogar in Sichtweite der Stadt.
Zuletzt wird gesagt, die Grenze verlaufe von Michmetat  ’æl-hajāmîn nach En-Tappuach. Die Richtungsangabe ’æl-hajāmîn ist hier mit „südlich“ zu übersetzen (vgl. Na’aman, Nadav 1986a, 148), sodass Michmetat nördlich von Tappuach (im Westen) (Tappuach, efraimitisch) und Taanat-Schilo (im Osten) zu suchen ist (vgl. Wächter, Ludwig 1968b, 56).

LXX

Die LXX bietet mit Ἱκασμών (Jos 16,6 LXXB) und Δηλαναθ (Jos 17,7 LXXB) zwei Lesarten, die vom MT abweichen. Entweder handelt es sich dabei um eine korrupte Wiedergabe des Textes (vgl. Margolis, Max L. 1931a, 334 zu Δηλαναθ) oder die LXX kannte diesen Ort bereits nicht mehr. Da beide Toponyme ansonsten unbekannt sind (vgl. Moster, David 2017a, 243), lässt sich nicht mehr ermitteln welche Orte die LXX im Blick hatte.

Onomastikon

Das Onomastikon bietet mit Μαχώθ eine Lesart der LXXA, die näher am MT liegt. Dabei wird keinerlei Identifikation vorgeschlagen. Somit ist anzunehmen, dass der Ort zur Zeit des Eusebius nicht bekannt war (vgl. Elliger, Karl, 1930a, 285).

Amarna-Briefe

Michmetat wird bisweilen mit dem Ort [URUMi-]ik-ma-te aus den Amarna-Briefen identifiziert (vgl. Liverani, Mario 1998a, 137). Jedoch ist diese Ergänzung des fehlenden Zeichens nicht zwingend (vgl. Rainey, Anson 1989a, 70). Darüber hinaus lässt nichts auf eine bedeutendere Siedlung in der Umgebung von Sichem (Tell Balaṭā) in der Späten Bronzezeit schließen. Somit ist diese Identifikation abzulehnen.

Identifikationen

Da es sich bei Michmetat um einen Hügel und nicht um einen Ort handelt, ist eine Identifikation schwierig, insbesondere da sich der Name in der Umgebung von Sichem (Tell Balaṭā) nicht erhalten hat. Zwar wurde bisweilen dahingehend argumentiert, dass sich an Ḫirbet Maḥne el-Fōqa der Name erhalten habe (vgl. Albright, William Foxwell 1924a, 152-153), dies wurde jedoch schlüssig widerlegt (vgl. dazu Elliger, Karl 1930a, 284-285). Somit können bei der Identifikation lediglich die biblischen Angaben berücksichtigt werden.

a) Ǧebel el-Kabīr
So wurde der Ǧebel el-Kabīr für Michmetat vorgeschlagen (vgl. Campbell, Edward Fay 1984a, 68). Er liegt nordöstlich von Tell Balaṭā, und in seiner Umgebung finden sich eisenzeitliche Siedlungen (vgl. Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 815-817). Allerdings liegt der Ǧebel el-Kabīr genau nördlich zu Janoach (zumeist mit Ḫirbet Yānūn oder Yānūn identifiziert), was den Angaben von Jos 16,6 widersprechen würde, wonach Janoach östlich von Michmetat verortet wird.

b) Ǧebel eṭ-Tuwānik mit Karm el-Bēše
Der Ǧebel eṭ-Tuwānik​ befindet sich südöstlich von Tell Balaṭā. Der Berg befindet sich in der Nähe zum Wādī Kīrād, in dessen Umgebung auch Janoach und Taanat-Schilo verortet werden. Um allerdings den Angaben von Jos 16,6 zu entsprechen, sollte der ganze Höhenzug, beginnend mit dem Karm el-Bēše, hinzugezogen werden. Der Höhenzug beginnt in der unmittelbaren Umgebung von Tell Balaṭā und erstreckt sich nach Südosten bis zum Ǧebel eṭ-Tuwānik​ (vgl. Elliger, Karl 1970a, 98-99). Entlang des Höhenzugs finden sich mehrere Siedlungen, bei denen die Besiedlung in der Eisenzeit jedoch nicht sicher nachzuweisen ist (vgl. u.a. Campbell, Edward Fay 1984a, 69 zu Ḫirbet Ibn Naṣir). Da es sich bei Michmetat allerdings nicht um einen besiedelten Ort handelt, ist dieser Befund zu vernachlässigen. Der Höhenzug passt in den Grenzverlauf von Jos 16, auch wenn eine sichere Identifikation schwierig bleibt, da der Name sich am Ort nicht erhalten hat.

 

Autor: Jakob M. C. Luz y Graf, 2022; letzte Änderung: 2022-03-30 11:56:54

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 4 (1992), 815 (Dyck, Elmer, Art. Michmetath)
  • EBR 18 (2020), 1172f (Gaß, Erasmus, Art. Michmethath)

 

Literatur

Steuernagel, Carl 1900a , 218 ;  Albright, William Foxwell 1924a , 152-153 ;  Alt, Albrecht 1927a , 49-50 ;  Elliger, Karl 1930a , 282-291 ;  Fernández, Andrés 1933a , 30-33 ;  Margolis, Max L. 1931a , 334 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 56-58 ;  Abel, Félix-Marie 1936a , 103-105 ;  Noth, Martin 1953a , 103 ;  Jenni, Ernst 1958a , 36 ;  Danelius, Eva 1958a , 32-37 ;  Simons, Jan 1959a , 166-167 §234 ;  Stoebe, Hans Joachim 1964a , 20 ;  Noth, Martin 1966a , 260-261 ;  Kuschke, Arnulf 1965a , 104-105 ;  Wächter, Ludwig 1968bElliger, Karl 1970a , 91-100 ;  Seebass, Horst 1984a , 70-71 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 270 ;  Campbell, Edward Fay 1984a , 67-69 ;  Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 403 ;  Na’aman, Nadav 1986a , 148-153 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 150-151.157-158 ;  Rainey, Anson 1989a , 70 ;  Campbell, Edward Fay 1991a , 102-103 ;  Fritz, Volkmar 1994a , 171-173 ;  Svensson, Jan 1994a , 64 ;  Nelson, Richard D. 1997a , 196-197 ;  Liverani, Mario 1998aBelmonte Marín, Juan Antonio 2001a , 190 ;  Ziese, Mark 2008a , 302 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 272f ;  Lerner, Ellen Renee 2014a , 96 ;  Moster, David 2017a , 242-243 ;  Gaß, Erasmus 2019a , 159-161.170.183-185.199 ;