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Schinar

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Sinear; Shinar

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

שנער šin‘ār. Σενααρ, Βαβυλωνια

Belege AT

Gen 10,10; Gen 11,2; Gen 14,1; Gen 14,9; Jos 7,21; Jes 11,11; Sach 5,11; Dan 1,2

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

śngr (ägyptisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 264; Hannig, Rainer 2006a, 1184; HTAT, 122 Anm. 264)
šanḫar (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 263f; hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 344)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

bbl (1QGenAp 21,23: Beyer, Klaus 1984a, 181; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 44; Ziemer, Benjamin 2005a, 50; Machiela, Daniel A. 2009a, 80)
Σενααρ (Josephus, antiquitates 1,110.119)
bbl (Targum Neofiti: Díez Macho, Alejandro 1988a, 64)
pwnṭws (Targum Pseudo-Jonatan: Díez Macho, Alejandro 1988a, 65)

Beschreibung

Die Mehrzahl der Belege findet sich im Buch Genesis, wo Schinar als Landschaftsname („Land Schinar“ Gen 10,10; Gen 11,2; vgl. Sach 5,11; Dan 1,2) bzw. als Bezeichnung einer politischen Größe („König von Schinar“, Gen 14) verwendet wird. Im „Land Schinar“ sollen die Städte Babel, Erech (Uruk) und Akkad liegen (Gen 10,10), auch der Bau der Stadt Babel bzw. des „Turms“ wird im „Land Schinar“ lokalisiert (Gen 11,2). Schinar bezeichnet demnach das zur Stadt Babel gehörende Land, das in Texten ab der Mitte des 1. Jt. v.Chr. Babylonien genannt wird. Nach heutiger politischer Geographie handelt es sich um den südlichen Teil des Irak zwischen Bagdad (Baġdād) und dem persischen Golf. Mit der Unterscheidung von Stadt- und Landschaftsnamen entspricht das Buch Genesis dem Sprachgebrauch der Keilschriftliteratur, die bis in neubabylonische Zeit (6. Jh. v.Chr.) den Namen Babel ausschließlich für die Stadt verwendet, während die Landschaft mit unterschiedlichen Wendungen bezeichnet wird. Dass in der Genesis dabei auf den Namen šanḫar zurückgegriffen wird, der in Texten des 2. Jt. v.Chr. belegt ist (u.a. EA 35,49), und nicht etwa auf Ausdrücke wie „Land der Chaldäer“ māt kaldi (vgl. Gen 11,28; Gen 11,31; Gen 15,7; s. Chaldäa) oder akkad (Akkad), die im 1. Jt. v.Chr. für Babylonien bzw. für Teile Babyloniens geläufig waren, dient möglicherweise dazu, die durchgängige Stilisierung der Erzählungen als Ur- und Vorgeschichte Israels in literarisch-topographischer Hinsicht zu unterstreichen. LXX folgt diesem Muster im Buch Genesis und transkribiert Schinar als Σενααρ. Bei der Übersetzung der Profetenbücher zeigen die Verfasser der LXX jedoch, dass ihnen die Gleichsetzung mit Babylonien geläufig war und geben hebräisch šin‘ār mit „Babylonien“ Βαβυλωνια wieder (Jes 11,11; ähnlich Sach 5,11; Dan 1,2). Ebenso bezeichnet 1QGenAp 21,23 den Gen 14 genannten „König von Schinar“ als „König von Babelmlk bbl. Josephus differenziert und beschreibt Senaar als Teilregion Babyloniens, als „Ebene in Babylonien“ (antiquitates 1,119). Auch Targum Neofiti identifiziert Schinar mit Babel, während Pseudo-Jonatan das „Land Schinar“ nach Kleinasien (Pontus) verlegt.

 

Autor: Detlef Jericke, 2016; letzte Änderung: 2019-09-12 11:42:52

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 1805 (Wallis, Gerhard, Art. Sinear)
  • ABD 5 (1992), 1220 (Davila, James R., Art. Shinar)
  • LThK3 1 (1993), 1336-1339 (Röllig, Wolfgang / Stemberger, Günter, Art. Babylonien); 5 (1996), 578-580 (Suermann, Harald / Antes, Peter, Art. Irak)
  • WiBiLex 2008 (Ziemer, Benjamin, Art. Amrafel); 2009 (Renz, Johannes, Art. Babylon / Babylonier)

 

Literatur

Delitzsch, Franz 1887a , 214 ;  Gunkel, Hermann 1910a , 88 ;  Dhorme, Paul 1931a , 506-514 ;  Simons, Jan 1959a , 85f § 236 ;  Cassuto, Umberto 1964a , 203 ;  Westermann, Claus 1974a , 690 ;  Zadok, Ran 1984aJursa, Michael 2010aJericke, Detlef 2013a , 48 ;  Frahm, Eckart 2017bHeath-Whyte, George 2022aJursa, Michael 2022aChavalas, Mark W. 2022bGraslin-Thomé, Laetitia u.a. 2023aNissen, Hans 2023aOtto, Adelheid / Ziegler, Nele 2023aCousin, Laura u.a. 2023Elayi, Josette 2024a