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Ortsangaben der Bibel (odb)
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Dibon

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

דיבון dîbôn. Δαιβων

Belege AT

Num 21,30; Num 32,3; Num 32,34; Num 33,45-46; Jos 13,9; Jos 13,17; Jes 15,2; Jer 48,18; Jer 48,22

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

tbn, tpn ? (ägyptisch: Simons, Jan 1937a, I Nr. 98; Aharoni, Yohanan 1984a, 167; Hannig, Rainer 2006a, 1202; HTAT, 151f)
djbn (Mescha-Inschrift [9. Jh. v.Chr.], Zeilen 1f.21.28: KAI 181,1f.21.28; TUAT I 646–650; Gaß, Erasmus 2009a, 7.9f; HTAT, 245.247)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Δεβων, Διβων, Δαιβων, Δειβων (Eusebius, Onomastikon: Timm 94,6–9 und 97,9f. Nr. 372.388; Klostermann 76,17–22 und 80,5f; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 75f.78, Nr. 372.388)

Beschreibung

Textbelege
 
Mitunter wird das u.a. in der Ortsliste Thutmoses III. (15. Jh. v.Chr.) als Nr. 98 und in Texten Ramses II. (13. Jh. v.Chr.) genannte Toponym tbn (Transkriptionsvariante tpn) mit Dibon gleichgesetzt (Bunnens, Guy u.a. 1990a; Worschech, Udo 1997a; Hannig, Rainer 2006a, 1202). Das im 13. Jh. v.Chr. bezeugte tbn wird zumindest im Zusammenhang mit einem moabitischen Ortsnamen genannt (HTAT, 151f), was allerdings eine Identifizierung mit Dibon nicht zwingend macht (vgl. Aḥituv, Shmuel 1972a). Darüber hinaus wird angenommen, dass die in der Liste Thutmoses III. unter Nr. 85–102 genannten Orte in Galiläa (Aharoni, Yohanan 1984a, 166f) oder im nördlichen Ostjordanland (Weippert, Manfred 1979a, 27) zu suchen sind, was die Gleichsetzung des ägyptischen Ortsnamens mit Dibon ausschließt.
Dibon wird im Alten Testament sowohl zu den Stämmen Gad (Num 32,34; Num 33,45-46) und Ruben (Jos 13,17) als auch zu Moab (Jes 15,2; Jer 48,18; Jer 48,22) gerechnet. Die Bezeichnung Dibon-Gad (Num 33,45-46) soll den Ort von einem gleichnamigen in Juda (Dibon, judäisch; Neh 11,25) unterscheiden. Die Zugehörigkeit zu Moab wird durch die Mescha-Inschrift gestützt (9. Jh. v.Chr.). Mescha bezeichnet sich selbst als „König von Moab, der Diboniter“ mlk mʾb hdjbnj (Zeile 1f; Gaß, Erasmus 2009a, 7). Dibon fungierte seit Mescha (als Vorort des moabitischen Gebietes. Der Anspruch der Gaditer ist nachvollziehbar, zumal diese von Mescha als Bewohner des nordwestlich benachbarten Landes Atarot (Atarot, ostjordanisch) genannt werden (Zeile 10; Gaß, Erasmus 2009a, 8). Schwierig zu beurteilen ist dagegen die Zuweisung an Ruben. Sie wird meist als historiographische Fiktion beurteilt (Worschech, Udo 1990a, 127; RGG4 2, 834).
Nicht eindeutig geklärt ist der Zusammenhang von Dibon und dem mehrfach in der Mescha-Inschrift genannten Ausdruck qrḥh *Qarḥoh. Mescha baut qrḥh zu einer Residenz mit Befestigungsanlagen und Palast aus (Zeilen 21–25; Gaß, Erasmus 2009a, 9). Vermutlich handelt es sich um die Akropolis von Dibon, die möglicherweise auf der Spitze des Stadthügels lag (s.u.). Eine andere Annahme geht davon aus, dass qrḥh vor Mescha der Ortsname war, wärend Dibon einen Stämmeverband bezeichnete. Nach dem Ausbau der Residenz durch Mescha sei der Name Dibon auf den Ort übertragen worden (Steen, Ellen J. van der / Smelik, Klaas A. 2007a).
Eusebius bezeichnet den zu seiner Zeit existierenden Ort als κώμη παμμεγέθης „ein sehr großes Dorf“ (Timm 94,6f, Nr. 372; Klostermann 76,17f), was zumindest darauf hinweist, dass Dibon in römisch-byzantinischer Zeit nicht mehr Vorort der Moabitis war.
 
Lokalisierung
 
Die Identifizierung von Dibon mit dem ca. 3 km nördlich des Arnon gelegenen Ort Ḏībān ist aufgrund der Namenskontinuität, der Lage und des archäologischen Befunds nicht umstritten. Ausgrabungen waren allerdings nur an wenigen Stellen möglich, da der Ort bis heute bewohnt ist. Die ältesten Siedlungsreste – Keramik und einige Mauern – stammen aus der Frühbronzezeit. Die Eisenzeit I (12.–10. Jh. v.Chr.) ist nur durch Keramik dokumentiert. Ein Tonständer aus der späten Eisenzeit I oder der frühen Eisenzeit II (11./10. Jh. v.Chr.), der eine kultische Funktion gehabt haben könnte, ist verloren gegangen (Gaß, Erasmus 2009a, 226). Aus der Eisenzeit II stammen Reste von Befestigungsanlagen mit einem Stadttor. Auf der Spitze des antiken Siedlungshügels wurde ein ca. 43 x 21 m großes Gebäude der Eisenzeit II freigelegt. Dieses kann als öffentliches Gebäude angesehen werden und ist vielleicht mit dem in der Mescha-Inschrift qrḥh genannten Stadtteil zu identifizieren (Hübner, Ulrich 1990a; Gaß, Erasmus 2009a, 225f). Andere suchen den Palstkomplex bzw. qrḥh am südwestlichen Rand des Siedlungshügels, wo eisenzeitliche Mauern als Teil eines künstlichen ca. 100 x 100 m großen Podiums gedeutet werden (Tushingham, A. Douglas / Pedrette, Peter H. 1996a). Nach der Eisenzeit II wurde der Ort erst wieder ab nabatäisch-römischer Zeit (2./1. Jh. v.Chr.) genutzt. Das von Eusebius beschriebene „sehr große Dorf“ wird u.a. durch Reste zweier Kirchen aus byzantinischer Zeit illustriert.

 

Autor: Detlef Jericke, 2021; letzte Änderung: 2022-05-03 12:49:45

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 8 (1997), 318–325[321] (Weippert, Manfred, Art. Moab)
  • BRL , 128f (Galling, Kurt, Art. Dibon)
  • BHH 1 (1962), 342 (Elliger, Karl, Art Dibon)
  • EAEHL 1 (1975), 330–333 (Tushingham, A. Douglas, Art. Dibon)
  • BRL2 , 57 (Helga Weippert, Art. Dibon)
  • NBL 1 (1995), 424–426 (Worschech, Udo, Art. Dibon)
  • ABD 2 (1992), 194–196 (Tushingham, A. Douglas, Art. Dibon)
  • NEAEHL 1 (1993), 350–352 (Tushingham, A. Douglas, Art. Dibon)
  • RGG4 2 (1999), 834 (Knauf, Ernst Axel, Art. Dibon)
  • WiBiLex 2006 (Ninow, Friedbert, Art Dibon)
  • EBR 6 (2013), 788-789 (Porter, Benjamin W., Art. Dibon); 6 (2013), 822-823 (Park, Hye Kyung, Art. Dimon)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 304f ;  Tushingham, A. DouglasMorton, William H. 1957aTushingham, A. Douglas 1972aAḥituv, Shmuel 1972aWeippert, Manfred 1979a , 27 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 157–171 ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aTimm, Stefan 1989a , 34–60 ;  Dearman, John Andrew 1989b , 171–174 ;  Morton, William H. 1989aMussel, Mary Louise 1989aTushingham, Arlotte D. 1990aZwickel, Wolfgang 1990a , 148 ;  Bunnens, Guy u.a. 1990aWorschech, Udo 1990a , 127 ;  Hübner, Ulrich 1990aKessler, Karlheinz 1991aKellermann, Diether 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aSchmitt, Götz 1995a , 133 ;  Mittmann, Siegfried 1995a , 1–27 ;  Tushingham, A. Douglas / Pedrette, Peter H. 1996aWorschech, Udo 1997bMacDonald, Burton 2000a , 84f ;  Steen, Ellen J. van der / Smelik, Klaas A. 2007aGaß, Erasmus 2009a , 186.222–227 ;