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Skorpionensteige

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Skorpionenpass; ascent of Akrabbim

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מעלה עקרבים maʿaleh ʿaqrabbîm. ἡ ἀνάβασις Ακραβιν

Belege AT

Num 34,4; Jos 15,3; Ri 1,36

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

mqrpt / ʿqrbṯ ? (ägyptisch: Liste Thutmoses III. Nr. 94 / Liste Amenophis III.: Edel, Elmar 1966a, 22; Aḥituv, Shmuel 1984a, 64; Hannig, Rainer 2006a, 1127)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Ἀκραββειν (Eusebius, Onomastikon: Timm 15,6–10, Nr. 32; Klostermann 14,7–12: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 15, Nr. 32)

Beschreibung

Außerbiblisch

Mitunter werden die in Listen des 15. und 14. Jh. v. Chr. belegten ägyptischen Toponyme mqrpt bzw. ʿqrbṯ mit der alttestamentlichen Ortsangabe in Verbindung gebracht. Sie sind jedoch in ihrer Deutung imstritten. Neben der Gleichsetzung mit der Skorpionensteige (Görg, Manfred 1974a) wird auch die Ansicht vertreten, es handle sich um Ortsnamen aus dem Ostjordanland (Aḥituv, Shmuel 1984a, 64; Görg, Manfred 1989a, 46f). Daher ist nicht mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Skorpionensteige bereits im 2. Jt. v. Chr. namentlich bekannt war.
Eusebius verbindet unter dem Stichwort Ἀκραββειν Angaben zur Skorpionensteige mit solchen zur Landschaft Ἀκραβαττινη. Dabei lokalisiert er Ἀκραββειν an der Ostgrenze Judas, gegen den biblischen Befund, der die maʿaleh ʿaqrabbîm an der Südgrenze Judas (Jos 15,3) bzw. Kanaans (Num 34,4) kennt. Die Ἀκραβαττινη nennt er ein „großes Dorf“ (κώμη μεγίστη), das neun Meilen östlich von Neapolis (Sichem) zum Jordangraben hin liegt. Aus anderen Quellen (u.a. Josephus, bellum 3,48) ist die Ἀκραβαττινη als Landschaft am Ostabfall des mittelpalästinischen Gebirges südöstlich von Sichem bekannt (Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 11; Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993a; Jericke, Detlef 2020a, 194f). Insoweit ist die entsprechende Lageangabe bei Eusebius zutreffend, nicht jedoch seine Charakterisierung als „Dorf“. Die topographisch nicht haltbare Verbindung von Akrabattine und Skorpionenpass mag auch dadurch verursacht sein, dass 1Makk 5,3 das Toponym  Ἀκραβαττηνη in Zusammenhang mit Ἰδουμαια (Edom) bringt und die Beschreibung der Südgrenze Kanaans bei der Wüste Zin und Edom beginnt (Num 34,3), bevor die Skorpionensteige genannt ist (Num 34,4). Auf jeden Fall kann die Interpretation des Eusebius nicht zur Lagebestimmung der Skorpionensteige herangezogen werden. Vielmehr liegt eine unscharfe Verbindung verschiedener biblischer Überlieferungen (Jos 15,3; 1Makk 5,3) mit ungefähren Vorstellungen der territorialen Verhältnisse seiner Zeit vor.

Altes Testament

Die Skorpionensteige ist in den Beschreibungen der Südgrenze Kanaans und Judas als Grenzmarkierung genannt. Sie bildet dabei einen der östlichen Ausgangspunkte der Grenze, die sich von der Araba südlich des Toten Meeres (atl. Salzmeer) durch den Negeb über die Oase von Kadesch-Barnea zur Mittelmeerküste zieht. Südlich der Skorpionensteige beginnt Edom (Num 34,3-4). Die Skorpionensteige sollte demnach am Aufstieg von der Araba-Senke in den Negeb gesucht werden.

Lokalisierung

Meist wird die Skorpionensteige mit dem Gebirgspass Naqb eṣ-Ṣafā identifiziert, der von Tamar (ʿAin el-Ḥuṣb, 1734.0242; 35.2456626º N, 30.808447º E) in der Araba nach Mampsis/Kurnub (1560.0482; 31.0248466º N, 35.0635199º E) im zentralen Negeb hinaufsteigt. Die Wegverbindung wurde in römischer Zeit ausgebaut und durch Straßenstationen geschützt (vgl. Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a). Auf eine Nutzung in vorrömischer Zeit könnten die ausgedehnten eisenzeitlichen Anlagen bei ʿAin el-Ḥuṣb hinweisen (Cohen, Rudolph / Yisrael, Yigal 1995a; Cohen, Rudolph / Yisrael, Yigal 1995b; Jericke, Detlef 2010a, 99–101). Die Skorpionensteige war vielleicht Teil einer Querverbindung vom Negeb in das Ostjordanland. Zumindest verzeichnet die spätantike Tabula Peutingeriana eine zwischen Jerusalem und Elousa (el-Ḫalaṣa, 1170.0563; 31.0968075º N, 34.6546455º E) von der Nord-Süd-Straße abzweigende Nebenstrecke, die über Thamaro (Tamar) ins Ostjordanland führt.
Die Annahme einer ca. 20 km weiter nördlich verlaufenden Route der Skorpionensteige, die von ʿAin el-ʿArūs (1834.0438; 30.9851557º N, 35.3504277º E) über den Naqb el-Buwēb bzw. den Naqb Maẓil aus der Araba in den nördlichen Negeb führt, ist nur dann geboten, wenn Tamar/Thamaro nicht in ʿAin el-Ḥuṣb, sondern bei ʿAin el-ʿArūs lokalisiert wird (Kellermann, Mechthild u.a. 1985a; Kellermann, Diether u.a. 1992a). Dieser nördliche Passweg war allerdings in der Antike nicht so gut ausgebaut wie der weiter südlich verlaufende Naqb eṣ-Ṣafā. Zudem fehlen beim Naqb el-Buwēb bzw. Naqb Maẓil archäologische Hinweise auf eine Benutzung in vorrömischer Zeit. Darüber hinaus wäre anzunehmen, dass die Beschreibung der Südgrenze Kanaans bzw. Judas in Num 34,3-5 bzw. Jos 15,2-4 nach der Skorpionensteige weit nach Südwesten in Richtung Kadesch-Barnea ausgreift. Der Naqb eṣ-Ṣafā dagegen liegt in etwa auf der geographischen Höhe von Kadesch-Barnea, so dass sich ein plausibler, möglicherweise auch lediglich vorgestellter bzw. literarisch konstruierter Grenzverlauf ergibt.

 

Autor: Detlef Jericke, 2022; letzte Änderung: 2022-03-08 10:29:58

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 56 (Bach, Robert, Art. Akrabim)
  • ABD 1 (1992), 141 (Görg, Manfred, Art. Akrabbim)
  • EBR 1 (2009), 702f (Knowles, Melody D., Art. Akrabbim)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1933a , 306 ;  Frank, Fritz 1934a , 256f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 47 ;  Noth, Martin 1953a , 87 ;  Simons, Jan 1959a , 135-137.284f §§ 311.538 ;  Harel, Menashe 1959aGörg, Manfred 1974aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 273f ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aGörg, Manfred 1989a , 46f ;  Bieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aFritz, Volkmar 1994a , 158f ;  Jericke, Detlef 1997a , 61–65 ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 314f ;  Gaß, Erasmus 2005a , 178f ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 50-52 ;  Jericke, Detlef 2020a , 194f ;