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Bach Kana

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

River Kanah; Wadi Kanah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

נַחַל קָנָה naḥal qānā. χειμαρρουν Κανα / Χελκανα
 

Belege AT

Jos 16,8; Jos 17,9

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Κανα (Eusebius, Onomastikon: Klostermann 114,20; Timm 146,2, Nr.596; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 110, Nr.593);
Κανε (Eusebius, Onomastikon: Klostermann 114,22; Timm 146,4, Nr.598; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 110, Nr.595).

Beschreibung

Etymologie

Der Name des Bachs lässt sich auf qānā „Rohr" bzw. „Schilfrohr“ zurückführen. Das Schilfrohr braucht zum Wachstum langsam fließende Gewässer (vgl. Zwickel, Wolfgang 1999a, 38-39; Moster, David 2017a, 249), somit ist es wahrscheinlich, dass der Bach Kana in biblischer Zeit ein beständiger Bach war (vgl. Danelius, Eva 1958a, 40). Das Vorkommen des Schilfrohrs entlang des Bachs und bei dessen Mündung ins Mittelmeer dürfte der Hintergrund für die Namensgebung sein (vgl. Zwickel, Wolfgang 1999a, 40).

Altes Testament

Das Toponym Bach Kana taucht in der Bibel lediglich in der Grenzbeschreibung Ephraims und Manasses auf. Dabei dient der Bach als nördliche Grenze Ephraims und als südliche Grenze Manasses.

Jos 16,8
In Jos 16,8 wird der Bach Kana westlich von Tappuach (Tappuach, efraimitisch) verortet. Von da aus verläuft die Grenze weiter bis ans Meer, womit das Mittelmeer gemeint ist.
In manchen Lesarten findet sich anstelle des Mittelmeers das Salzmeer, also das Tote Meer (vgl. Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a, 403). Aufgrund der Verortung des Bachs in Relation zu Tappuach erscheint es allerdings unwahrscheinlich, dass der Bach nach Osten verlief; zudem wurde die Grenze Ephraims nach Osten hin bereits in Jos 16,6-7 bis an den Jordan beschrieben.

Jos 17,9
In Jos 17,9 wird der Bach Kana erneut nach Tappuach genannt. Auch wird wie in Jos 16,8 die Grenzlinie entlang des Bachs Kana bis ans Mittelmeer gezogen.

LXX
Die LXX bietet in einigen Lesarten die Form Χελκανα. Diese stellt eine (fehlerhafte) Transkription des hebräischen Ortsnamens dar (vgl. Gaß, Erasmus 2019a, 162). Somit ist hier kein anderer Ort im Blick.

Onomastikon

Das Onomastikon verdoppelt den Namen Kana, da es diesen in der Ortsliste von Ephraim und Manasse vorfand. Ähnliches findet sich bei anderen Ortsnamen, die in diesen beiden Grenzlisten auftauchen (z.B. Tappuach, efraimitisch). Eine Identifikation des Bachs bietet das Onomastikon nicht.

Identifikationen

Wādī eṣ-Ṣair
Dieses Wādī wird aufgrund seiner Quelle ʿAin el-Qaṣab (1730.1810) für den Bach Kana vorgeschlagen, da der Name der Quelle mit „Quelle des Schilfrohrs“ zu übersetzen ist (vgl. Moster, David 2017a, 250-251). Zudem verläuft das Wādī von seiner Quelle in der Nähe von Sichem bis ans Mittelmeer, was den Angaben im Jos 16,8 und Jos 17,9 entsprechen würde. Auch würde das Wādī sich gut in den Grenzverlauf von Michmetat - Taanat-Schilo - Janoach (Janoach, efraimitisch) einfügen; jedoch stellt sich die Frage, weshalb dann in Jos 16,8 Tappuach und nicht Michmetat als (erneuter) Ausgangspunkt für die Grenze gewählt wurde, sodass der Bach Kana wahrscheinlich auf gleicher Höhe wie Tappuach zu finden sein dürfte, was gegen Wādī eṣ-Ṣair spricht.
Zudem ist die Tendenz zu berücksichtigen, dass die hebräischen Ortsnamen ins Arabische meist lautlich übertragen wurden. Übersetzungen wie sie bei der Gleichsetzung des Wādī eṣ-Ṣair bzw. der ʿAin el-Qaṣab mit dem Bach Kana anzunehmen wären, sind selten (vgl. Elitzur, Yoel 2004a, 208).

Wādī Qānā
Der Bach Kana wird in der heutigen Forschung überwiegend mit dem Wādī Qānā in Verbindung gebracht (vgl. u.a. Albright, William Foxwell 1924a, 151; Kellermann, Diether u.a. 1992a; EBR 15, 20).
Das Hauptargument für die Identifikation ist, dass der Name des Bachs sich an diesem Wādī erhalten hat (vgl. Moster, David 2017a, 250, hier findet sich auch eine Karte mit dem Verlauf der beiden Wādīs). 
Das Wādī Qānā verläuft heute von seiner Quelle (ca. 1740.1720) zunächst nordwestlich bis es bei Ǧilǧūliyā  (1460.1736; 32.1556163º N, 34.95579873º E) in das Wādī Iṣkar mündet und von dort an in südwestlicher Richtung verläuft.  Wādī Iṣkar fließt bei Tell el-Muḫmar (1403.1707; 32.12933161º N, 34.8954641º E) in den Yarkon, der schließlich ins Mittelmeer mündet (vgl. Danelius, Eva 1958a, 38). Dieser Verlauf entspricht den Angaben von Jos 16,8 und Jos 17,9.
Unsicher ist, ob der heutige Verlauf des Bachs mit dem Verlauf in biblischer Zeit identisch ist (vgl. Elliger, Karl 1930a, 275). So wurde bisweilen angenommen, dass das Wādī früher - anstatt nach Ǧilǧūliyā mit dem Wādī Iṣkar die Richtung nach Südwesten zu ändern - weiter in nordöstlicher Richtung floss, östlich an Ǧilǧūliyā und Nebī Yemin (1457.1763; 32.1799578º N, 34.9525514º E) vorbei. Bei Miska (1437.1806; 32.217778º N, 34.924722º E) wäre das Wādī dann in westlicher Richtung dem Verlauf des Wādī eṣ-Ṣair gefolgt und ins Mittelmeer verlaufen, sodass hier eine Kombination der beiden vorgeschlagenen Wādīs vorliegen würde. Diese Annahme basiert auf einer in palästinensischen Dörfern in der Umgebung des Wādī Qānā weitergegebenen Tradition, nach der das Wādī einst nördlich von Ǧilǧūliyā verlief (vgl. Danelius, Eva 1958a, 38-40 mit Karte). Jedoch sagt diese Tradition aufgrund der Distanz zur biblischen Zeit wenig über diese Zeit aus; zum anderen ist die Angabe so grob, dass mehr als nur dieser eine vorgeschlagene alternative Verlauf denkbar wäre. Die Möglichkeit besteht in jedem Fall, dass der Bach in biblischer Zeit einem anderen Verlauf folgte als heutzutage, jedoch lässt dieser Verlauf sich nicht mehr sicher bestimmen.
Das Wādī verläuft nordöstlich von Tappuach (Tappuach, efraimitisch), weshalb das Wādī Qānā gut zu dem in Jos 16 und Jos 17 beschriebenen Grenzverlauf passt.
Die Ähnlichkeit des Namens und die geographische Lage sprechen somit für eine Identifikation mit dem biblischen Bach Kana, weitere Argumente für diese Gleichsetzung können jedoch nicht vorgebracht werden (vgl. Kallai, Zecharia 1986a, 153; gegen Danelius, Eva 1958a, 40).

 

Autor: Jakob M. C. Luz y Graf, 2022; letzte Änderung: 2022-06-03 09:51:44

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 4 (1992), 5 (Kanah [Place]; Thompson, Henry O.)
  • EBR 15 (2017), 20 (Hasegawa, Shuichi, Art. Kanah, 1. A Brook)

 

Literatur

Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1882a , 299 ;  Dillmann, August 1886a , 541 ;  Albright, William Foxwell 1924a , 152 ;  Alt, Albrecht 1929c , 31 ;  Elliger, Karl 1930a , 274-276 ;  Danelius, Eva 1958a , 36-42 ;  Simons, Jan 1959a , 167-168 §324 ;  Kuschke, Arnulf 1965a , 102 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 270 ;  Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 403 ;  Na’aman, Nadav 1986a , 145.147 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 153 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aFritz, Volkmar 1994a , 172-173 ;  Neef, Heinz-Dieter 1995a , 138 ;  Zwickel, Wolfgang 1999a , 38-40 ;  Lerner, Ellen Renee 2014a , 96 ;  Moster, David 2017a , 248-251 ;  Gaß, Erasmus 2019a , 162.200.212 ;