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Meara

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Ara; Mearah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מערה meʿārāh. Γαζα

Belege AT

Jos 13,4

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

(p3)-mgr ? (ägyptisch [Papyrus Anastasi I 19,2]: Aḥituv, Shmuel 1984a, 133; Hannig, Rainer 2006a, 1154)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Beschreibung

Das hebräische Wort meʿārāh bedeutet „Höhle“ (z.B. Gen 23,17). Lediglich in Jos 13,4 scheint ein Toponym gemeint zu sein. Zumindest fasst LXX den Namen so auf, schreibt jedoch Γαζα „Gaza“ und ersetzt den unbekannten Ortsnamen durch einen geläufigen (vgl. Hertog, Cornelis G. den 2009a), vermutlich beeinflusst von der Erwähnung Gazas im vorhergehenden Vers Jos 13,3. Da Meara „zu den Sidoniern“ gehören soll, ist die Lesart der LXX topographisch unsinnig. Die neuzeitliche Forschung geht von der Syntax aus. Meist wird eine in den Grenzbeschreibungen des Josuabuchs häufig anzutreffende min-ʿad- Konstruktion („von …bis“) vorausgesetzt. Daher sei der usprüngliche Ortsname ʿārāh und die Konsonantenfolge mʿrh meine „von Ara“. Folglich sei der entsprechende Satz in Jos 13,4 „von Ara, das zu den Sidoniern gehört, bis Afek“ zu lesen (Abel, Félix-Marie 1951a; Noth, Martin 1953a, 70; Bekkum, Koert van 2011a, 123). Seltener ist die Annahme, vor meʿārāh sei ein min ausgefallen und daher sei „von Meara“ gemeint (vgl. Rösel, Hartmut N. 2011a, 211). Gelegentlich wird auch vorgeschlagen, statt meʿārāh ein ursprüngliches ṣor „Tyrus“ zu lesen (Fritz, Volkmar 1994a, 146f), was geographisch zwar passend wäre, in der Textüberlieferung jedoch keinen Anhaltspunkt hat.
Unabhängig von den alternativen Lesarten „Meara“ oder „Ara“ ist eine Verbindung zum ägyptischen Toponym (p3)-mgr möglich, das im Papyrus Anastasi I (19,2) aus der Ramessidenzeit (13.–11. Jh. v.Chr.) erwähnt ist. Nach dem dortigen Zusammenhang soll der Ort im Libanongebirge liegen. Dies könnte auf Meara/Ara insoweit zutreffen, als der Ort zu den noch einzunehmenden Gebieten gerechnet wird, zu denen auch der gesamte Libanon zählt (Jos 13,5-6). (p3)-mgr wird mitunter bei den Höhlen von Afqā ca. 24 km östlich von Gebal (Byblos) am Abfall des Libanongebirges zur Biqā-Hochebene gesucht (Hannig, Rainer 2006a, 1154; zu weiteren Lokalisierungsvorschlägen vgl. Aḥituv, Shmuel 1984a, 133). Dort könnte auch Meara/Ara vermutet werden (Fritz, Volkmar 1994a, 146f), zumal dann der Name meʿārāh „Höhle“ verständlich wäre. Daneben werden aufgrund der Namensähnlichkeit und der geographischen Lage die Grotten bei Ǧizzīn (Muġar Ǧizzīn) für die Lokalisierung von Meara/Ara vorgeschlagen (vgl. EBR 18, 248f), die ca. 25 km östlich von Sidon liegen und daher in alttestamentlicher Zeit zum Hinterland der Stadt gehört haben könnten, was der Formulierung von Jos 13,4 entspräche. Letzteres gilt auch für den Ort el-Muġērīye ca. 10 km nordöstlich von Sidon (vgl. Abel, Félix-Marie 1938a, 381).
Legt man für die alttestamentliche Zeit die Namensform Ara zugrunde und sieht von einer Gleichsetzung mit (p3)-mgr ab, ist eine Lokalisierung auf der Ḫirbet ʿĀra in der palästinischen Küstenebene südlich des Karmelgebirges (Karmel, Gebirge) nicht völlig auszuschließen (EBR 18, 248f). Ḫirbet ʿĀra war eine wichtige Siedlung am Pass von der Küstenebene in die Jesreelebene (Ebene Jesreel), einem Teilstück des überregionalen Verkehrswegs von Ägypten nach Nordsyrien. Nach Oberflächenbefunden war der Platz von der Mittelbronzezeit bis in persische Zeit und dann wieder in römischer und byzantinischer Zeit besiedelt (Gadot, Yuval / Tepper, Yotam 2009a, Nr. 227). Bei einer Gleichsetzung von Meara/Ara mit Ḫirbet ʿĀra müsste man annehmen, dass Jos 13,4 frühestens in persischer Zeit formuliert wurde, als die betreffende Region südlich des Karmelmassivs von Sidon kontrolliert wurde (Vgl. Mittmann, Siegfried 1983a; Bieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991a). Neuere Untersuchungen zu Jos 13,1-7 lassen eine solche Annahme zu (Gaß, Erasmus 2019a, 298–330; Germany, Stephen 2021a, 151–154). Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Jos 13,4 genannten Ortsnamen Meara/Ara und Afek die literarisch-topographische Verbindung zwischen den im Südwesten Palästinas gelegenen philistäischen Städten (Philisterland) von Jos 13,3 und den im Bereich des Libanon zu suchenden Toponymen von Jos 13,5-6 (Baal-Gad, Hermon, Lebo-Hamat) darstellen, wobei offen bleibt, ob mit Afek der zu Ascher gerechnete Ort nördlich von Akko (Afek, phönizisch) oder der am Ostufer des Sees von Kinneret (Kinneret, See) zu suchende Platz (Afek, ostjordanisch) gemeint ist.

 

Autor: Detlef Jericke, 2022; letzte Änderung: 2022-02-08 18:04:54

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 4 (1992), 655 (Roth, R.L., Art. Mearah [Place])
  • EBR 18 (2020), 248f (Gaß, Erasmus, Art. Mearah)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 381 ;  Abel, Félix-Marie 1951aNoth, Martin 1953a , 70 ;  Fritz, Volkmar 1994a , 146f ;  Hertog, Cornelis den 2009a , 57.60 ;  Gadot, Yuval / Tepper, Yotam 2009a , Site No. 227 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 211 ;  Bekkum, Koert van 2011a , 123.220 ;  Gaß, Erasmus 2019a , 306 ;