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Libanon

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Libanongebirge; Lebanon

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הלבנון hallebānôn. Λίβανος, Ἀντιλιβανος. „das weisse (Gebirge)“

Belege AT

Dtn 1,7; Dtn 3,25; Dtn 11,24; Jos 1,4; Jos 9,1; Jos 13,5-6; Ri 3,3; Ri 9,15; 1Kön 5,13; 1Kön 5,20; 1Kön 5,23; 1Kön 5,28; 1Kön 9,19; 2Kön 14,9; 2Kön 19,23; 2Chr 2,7; 2Chr 2,15; 2Chr 8,6; 2Chr 25,18; Esr 3,7; Ps 29,5-6; Ps 72,16; Ps 92,13; Ps 104,16; Hld 3,9; Hld 4,8; Hld 4,11; Hld 4,15; Hld 5,15; Jes 2,13; Jes 10,34; Jes 14,8; Jes 29,17; Jes 33,9; Jes 35,2; Jes 37,24; Jes 40,16; Jes 60,13; Jer 18,14; Jer 22,6; Jer 22,20; Jer 22,23; Ez 17,3; Ez 27,5; Ez 31,3; Ez 31,15-16; Hos 14,6-8; Nah 1,4; Hab 2,17; Sach 10,10; Sach 11,1

 

Belege aus altorientalischen Dokumenten

rmnn, rbrn, ng3w (ägyptisch: Aḥituv, Shmuel 1984a, 130f; Hannig, Rainer 2006a, 1159.1162f)
lablana (hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 244)
*labnŒnu/*labʾŒnu (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 174)
lbnn (phönizisch: KAI 31; Filigheddu, Paolo 2006a, 183)
lbnn (aramäisch: KAI 222B, 9)
labnana (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 221; Onasch, Hans-Ulrich 1994a, 112)
 

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

[Libanon] (1Hen 13,9: Uhlig, Siegbert 1984a, 536)
lbnn (1QGenAp 21,11: Beyer, Klaus 1984a, 179; Machiela, Daniel A. 2009a, 79)
Λιβανος (Jdt 1,7; Sir 24,13; Sir 50,8; Sir 50,12; Strabon 16,2,16; Josephus, antiquitates 1,130.138 u.ö.; Klaudios Ptolemaios, geographikē 5, 14,6: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b; Eusebius, Onomastikon 18,8; 20,12; 122,27: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 19.21.118, Nr. 46.54.646; Timm, Stefan 2017a, 20 Zeile 3. 22 Zeile 7. 127 Zeile 6, Nr. 46.54.649)
Ἀντιλιβανος (Eusebius, Onomastikon 18,8f: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 19, Nr. 46; Timm, Stefan 2017a, 20 Zeile 3f, Nr. 46)
Libanus (Plinius, naturalis historia 5,20; Hieronymus, In Isaiam 60,3: MignePL 24, 594).
 

Beschreibung

Die Bezeichnung Libanon meint im Alten Testament immer das Libanongebirge. Der Name „das weiße Gebirge“ rührt daher, dass auf den Bergen des Libanon, die teilweise eine Höhe von über 3000 m üNN erreichen, häufig über längere Zeit Schnee liegt (Jer 18,14), ein für die Levante seltenes Phänomen. Der Libanon erstreckt sich vom Leontes/Nahr el-Liṭānāī bzw. Nahr el-Qāsimīye im Süden bis zum Eleutheros/Nahr el-Kebīr, dem Grenzfluß zwischen den modernen Staaten Libanon und Syrien, im Norden. Entsprechend gibt Jos 13,5 an: vom Hermon, dem südlichsten Ausläufer des Antilibanon bis Lebo-Hamat. Die alttestamentliche Bezeichnung Libanon meint das Libanongebirge im weitesten Sinne, sowohl den westlichen Gebirgszug (Ǧebel el-Lubnān) als auch den östlichen, den Antilibanon (Ǧebel eš-Šerqī). Mitunter ist sogar allein der Antilibanon im Blick. LXX übersetzt hebräisch „Libanon“ hallebānôn stellenweise mit Ἀντιλίβανος „Antilibanon“, so immer im Buch Deuteronomium (Dtn 1,7; Dtn 3,25; Dtn 11,24), aber auch Jos 1,4 und Jos 9,1 (vgl. Jdt 1,7). Eusebius folgt diesem Sprachgebrauch teilweise, wobei er, geographisch zutreffend, hinzufügt, der Antilibanon liege östlich des Libanon in Richtung auf Damaskus (Onomastikon 18,8f). Entsprechend redet Hld 7,5 von dem Blick, den man vom „Libanonturm“ aus nach Damaskus hat. Vorausgesetzt ist hier ein Standpunkt auf dem Antilibanon, von dem allein ein Blick nach Damaskus möglich ist. Der Wechsel Libanon/Antilibanon ist dadurch bedingt, dass von Israel aus lediglich der Hermon als Teil des Antilibanon zu erkennen war. So werden Jos 11,17 und Hld 4,8 Libanon und Hermon nahezu identisch gesehen. In den fiktiven Grenzbeschreibungen Kanaans bzw. des verheißenen Landes ist der Libanon als Nordgrenze genannt. Einige Belege beziehen ihn mit in das von Israel beanspruchte Land ein (Dtn 1,7; Dtn 11,24; Jos 1,4; Jos 13,5f; 1Kön 9,19//2Chr 8,6), andere setzen ihn von diesem ab (Jos 9,1). Nach den Überlegungen zum Wechsel Libanon/Antilibanon ist die Miteinbeziehung des Libanongebirges in das Siedlungsgebiet Israels lediglich propagandistischer Anspruch, zumal der Libanon auch als Aufmarschgebiet assyrischer Heere bekannt war (2Kön 19,23//Jes 37,24). Im 2. und 1. Jahrtausend v.Chr. wurde das Gebirge weitgehend von den phönizischen Stadtstaaten der Mittelmeerküste (Gebal/Byblos, Sidon, Tyrus) kontrolliert, die einen regen Handel mit Edelhölzern nach Ägypten, Syrien/Palästina und Mesopotamien betrieben. Die Hölzer, vornehmlich Zedern und Zypressen, wurden zum Bau von Tempeln und Palästen verwendet. Bekannt sind die Materialien für den Tempel und den Palast Salomos (1Kön 5; 2Chr 2). Auch für den sogenannten Zweiten Tempel, der in persischer Zeit errichtet wurde, wird Holz aus dem Libanon bereitgestellt (Esr 3,7). Seit dem Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. sind Lieferungen von Libanon-Hölzern nach Ägypten und Assyrien (Assur) belegt. Ein anschaulisches Beispiel gibt der Reisebericht des ägyptischen Beamten Wenamun (TUAT 3, 912–921; HTAT 214–223, Nr. 100). Er reist über Dor nach Gebal/Byblos, um dort Bauholz für die Barke des Amūn-Rē zu erwerben. In Gebal/Byblos gerät er in große Schwierigkeiten wegen der Bezahlung und des Transports. Daraufhin flüchtet er nach Zypern. Leider ist das Ende der spannenden Geschichte nicht erhalten. Seit Tiglatpileser I (1115–1076 v.Chr.) liessen sich auch die assyrischen Könige Bauholz für Paläste und Tempel liefern. Auf den Wandreliefs im Palast Sargons II in Dūr Šarrukīn / Ḫorsabad ist ein solcher Holztransport auf dem Wasser anschaulich dargestellt (Parrot, André 1961a, Abb. 48). Auch die neubabylonischen und die achämenidischen Könige liessen sich mit Hölzern aus dem Libanon versorgen. In römischer Zeit erfolgte dann offenbar eine systematische Rodung, von der sich das Gebirge bis heute nicht erholt hat. In den prophetischen und weisheitlichen Büchern des Alten Testaments wird der Libanon hauptsächlich wegen seiner Schönheit und seiner außerordentlichen Vegetation gerühmt (Jes 60,13; Hos 14,8; Ps 72,16; Ps 92,13). Auch der besondere Duft wird hervorgehoben (Hos 14,7; Hld 4,11). So dient das Libanongebirge häufig als Vergleichspunkt in poetischen Bildern (Jes 35,2; Jes 29,17; Ps 29,5f; Ps 104,16; Hld 3ff). Schönheit, Fruchtbarkeit und besondere Vegetation waren vermutlich der Anhaltspunkt dafür, dass der Libanon als Wohnsitz von Göttern verehrt wurde. Ein Text des 8. Jhs. v.Chr. (?) nennt die Stiftung eines sidonischen Beamten an den „Baal des Libanon“ lbʿl lbnn (KAI 31). Auch der Gottesgarten Eden wird mit dem Libanon in Verbindung gebracht (Ez 31; vgl. Stolz, Fritz 1972a).

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-02-27 11:21:56

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 6 (1980-1983), 641-650 (Weippert, Manfred, Art. Libanon)
  • BHH 2, 1080f (Mittmann; Siegfried, Art. Libanon)
  • 3 (1980), 1013f (Giveon, Raphael, Art. Libanon)
  • NBL 2 (1995), 630f (Görg, Manfred, Art. Libanon)
  • ABD 4 (1992), 269f (Houston Smith, Robert, Art. Lebanon)
  • DNP 7 (1999), 133 (Podella, Thomas, Art. Libanos)
  • EBR 9 (2014), 434-435 (Lemaire, André, Art. Forest of Lebanon); 15 (2017), 1191–1198 (McKinny, Chris, Art. Lebanon, Ancient, I. Archaeology and History; 15 (2017), 1198–1201 (Kamlah, Jens, Art. Lebanon, Ancient, II. Hebrew Bible/Old Testament)

 

Literatur

Sethe, Kurt 1908/1909aAbel, Félix-Marie 1933a , 340–344 ;  Vaumas, Étienne de 1954aSimons, Jan 1959a , 55f § 143 ;  Stolz, Fritz 1972aLipiński, Edward 1973aBernhardt, Karl-Heinz 1976aWagner, Jörg 1983aAharoni, Yohanan 1984a , Register ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aHögemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aWaldmann, Helmut / Rademacher, Rochus 1987aSchmitt, Götz 1987aSchmitt, Götz 1988aPerlitt, Lothar 1990a , 47f ;  Bunnens, Guy u.a. 1990aKessler, Karlheinz 1991aRöllig, Wolfgang / Sader, Hélène S. 1991aKellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993a