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Zemarajim

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Zemaraim

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

צםרים emārajim. Σαρα (Jos 18,22 LXXB), Σεμριμ (Jos 18,22 LXXA),  Σομορων (2Chr 13,4). Semaraim (Vulgata)
 

Belege AT

Jos 18,22; 2Chr 13,4

Belege aus altorientalischen Dokumenten

ḏmrm ? (ägyptisch, Schoschenkliste Nr. 57: Noth, Martin 1938b, 287 = Noth, Martin 1971b, 80f; Aḥituv, Shmuel 1984a, 204; Wilson, Kevin A. 2005a, 116; Hannig, Rainer 2006a, 1210)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Σεμρειμ (Eusebius, Onomastikon 158,5: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 148, Nr. 850; Timm, Stefan 2017a, 209 Zeile 4, Nr. 852)

Beschreibung

Alttestamentliche Überlieferung

Der Ort Zemarajim wird nach Jos 18,22 zu Benjamin gerechnet. Er wird in dem Vers zwischen Bet-Araba und Bet-El aufgeführt. Wenn der Anordnung der Namen in der Ortsliste Benjamins (Jos 18,21-28) Auskünfte zur Lage einzelner Orte zu entnehmen sind, sollte Zemarajim am Ostabfall des Berglands zu suchen sein, da Bet-El auf dem Hauptkamm und Bet-Araba am Ostrand des Berglands zur Jordansenke hin liegen. 2Chr 13 erzählt eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem judäischen König Abija und dem israelitischen Herrscher Jerobeam I. Vor den Kampfhandlungen steht Abija auf dem Berg Zemarajim im Gebirge Efraim (2Chr 13,4). Nachdem die Judäer die Israeliten besiegt haben, nehmen sie Bet-El, Jeschana und Efron (vielleicht identisch mit Ofra) ein (2Chr 13,19). Meist wird angenommen, dass der Ort Zemarajim und der gleichnamige Berg in unmittelbarer Nachbarschaft lagen (u.a. Noth, Martin 1953a, 111; Rudolph, Wilhelm 1955a, 236; Japhet, Sara 2003a, 167; Rösel, Hartmut N. 2011a, 295; McKinny, Chris 2015a, 21*; McKinny, Charles Christopher 2016a, 321; anders Koch, Klaus 1962a) und dass beide in der Nähe der eigenommenen Orte Bet-El und Ofra zu suchen sind. Allerdings unterscheidet die LXX zwischen dem Ort und dem Berg, indem sie ersten mit Σεμριμ (LXXA), letzteren mit τὸ ὄρος Σομορων wiedergibt. Die Varianten könnten darauf zurückzuführen sein, dass das Josuabuch und die Chronikbücher zu verschiedenen Zeiten ins Griechische übersetzt wurden, ohne dass dabei die Schreibung der Toponyme angeglichen wurde. Die Lesart Σαρα (LXXB) für den Ort Zemarajim ist ebenso enigmatisch wie das nachfolgende Βησανα für hebräisch bêt-ʾel in Jos 18,22.

Außerbiblische Bezeugung

Das in der Liste der Orte, die der Pharao Schoschenk im ausgehenden 10. Jh. v.Chr. in der südlichen Levante eingenommen haben will, erwähnte Toponym mrm wird gern mit Zemarajim in Verbindung gebracht (u.a. Aharoni, Yohanan 1984a, 332–337; Kellermann, Mechthild u.a. 1985). Die Gleichsetzung ist jedoch weder vom Textzusammenhang her noch philologisch zwingend. Die beiden vor mrm genannten Ortsnamen pktṯ (Nr. 55, vielleicht Sukkot/Tell Dēr ʿAllā [Sukkot, Jordantal]) und i̓dmi̓̓ (Nr. 56, Adam/Tell ed-Dāmiye) weisen ins Jordantal. Der nach mrm aufgeführte Ort [ ]dr (Nr. 58) entspricht dem in der Levante häufig anzutreffenden Toponym Migdol oder Migdal, das im Alten Testament etwa als Migdal-Eder, Migdal-Gad oder Migdal-El belegt ist (Wilson, Kevin A. 2005a, 115–117). Wenn man annimmt, dass Schoschenk v.a. an der Kontrolle der Verkehrswege interessiert war, wäre an eine Wegverbindung vom Jordantal über den Ostabfall des Gebirges ins zentralpalästinische Bergland zu denken. In diesem Fall könnte mrm gut mit Zemarajim identifiziert werden. Zemarajim sollte dann an einem überregionalen Verkehrsweg gesucht werden. Aus philologischen Erwägungen werden jedoch auch die judäischen Orte Zenan (Jos 15,37) und Zaanan (Mi 1,11) mit mrm in Verbindung gebracht (Clancy, Frank 1999a).

Lokalisierung

Die ältere Forschung suchte Zemarajim im Jordantal bei Jericho. Leitend dafür waren das in Jos 18,22 vor Zemarajim genannte Toponym Bet-Araba und die Annahme, dass am wüstenartigen Ostabfall des Berglands im Altertum keine dauerhaften Siedlungen lagen. Bei dem aufgrund der Namensähnlichkeit für die Gleichsetzung mit Zemarajim vorgeschlagenen Platz (Ḫirbet) es-Samra (Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1883a, 174; Steuernagel, Carl 1900a, 224) handelt es sich nicht um eine einzelne Ortslage, sondern um ein weitläufigeres Gelände etwa 6 km nördlich von Jericho. Allerdings wurden hier keine Siedlungsreste aus alttestamentlicher Zeit gefunden. Außerdem lässt sich an dieser Stelle schwerlich ein Berg Zemarajim, der im Gebirge Efraim liegen soll, lokalisieren. Daher suchte man Zemarajim im Bergland bei Bet-El und Ofra. Aus philologischen Gründen bot sich der Bergrücken Rās ez-Zemāra unmittelbar südlich von Ofra/eṭ-Ṭayyibe an, zumal hier auch der Berg Zemarajim von 2Chr 13,4 gut vorstellbar war (Abel, Félix Marie 1938a, 454; Simons, Jan 1959a, 174 § 327; Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1982a, 430). Allerdings wurden dort nach vorläufigen Erkenntnissen keine Besiedlungsspuren aus vorrömischer Zeit entdeckt (Koch, Klaus 1962a, 22f; Kochavi, Moshe 1972a, 157f.176; Kallai, Zecheria 1986a, 401). Aus denselben Gründen kommt auch die etwa 2 km weiter westlich gelegene Ḫirbet el-Mazāriʿa (vorgeschlagen von Williamson, Hugh G. M. 1982a, 252) nicht in Frage, da sich hier bislang lediglich Reste aus mamluckischer und frühottomanischer Zeit zeigten (Greenberg, Raphael / Keinan, Adi 2009a, 58, Nr. 232). Dagegen weist der im heutigen Stadtgebiet von el-Bīre gelegene Bergrücken Rās eṭ-Ṭāḥūne nach Oberflächenuntersuchungen auf einer Fläche von ca. 0,5 ha archäologische Reste aus der Mittelbronzezeit, der Eisenzeit I und II, aus hellenistischer Zeit und aus späteren Perioden auf (http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx, Map 83/2, Site 1 [73]; Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 512f; vgl. McKinny, Chris 2015a, 21*; McKinny, Charles Christopher 2016a, 321f). Daher wird hier häufig Zemarajim lokalisiert (Aharoni, Yohanan 1985a, 332–336.446; Kellermann, Mechthild u.a. 1985a; Kallai, Zecharia 1986a, 401; Kellermann, Diether u.a. 1992a). Dabei wird eine alte These von Dalman aufgenommen, der Zemarajim in el-Bīre suchte (Dalman, Gustaf 1916a, 42.44; vgl. Noth, Martin 1953a, 111). Der Platz liegt jedoch ca. 3 km südwestlich von Bet-El und etwa 10 km südwestlich von Ofra. Wenn man davon ausgeht, dass Jos 18,21-28 in etwa einer Ausrichtung von Ost nach West folgen, kann  Zemarajim kaum so weit westlich von Ofra gesucht werden, da dieser Ort erst an vierter Stelle nach Zemarajim aufgelistet ist.
Die vorgenannten Lokalisierungsvorschläge beruhen zumindest indirekt auf der Prämisse, dass östlich des Gebirgshauptkamms in alttestamentlicher Zeit keine dauerhaften Siedlungen existierten. Erst in neuerer Zeit wurde diese Annahme durch archäologische Forschungen wiederlegt. Der markanteste Siedlungsplatz, der auch in alttestamentlicher Zeit genutzt wurde, ist Ḫirbet el-Marǧame, eine der größten mehrperiodischen Siedlungsstätten am Ostabfall des Berglands. Die Ḫirbe liegt auf einem Felsvorsprung über der Quelle ʿAin es-Sāmiya (1816.1553; 31.9907679º N, 35.3329484º E), bei der Gräber der Mittel- und Spätbronzezeit, der Eisenzeit und späterer Epochen entdeckt wurden (Dever, William G. 1972a; Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 731; Greenberg, Raphael / Keinan, Adi 2009a, 56 Nr. 214 u 215). Nach Oberflächenuntersuchungen wurde Ḫirbet el-Marǧame zu denselben Zeiten wie der bei der Quelle liegende Friedhof genutzt. Grabungen legten ein größeres Gebäude von 14,5 x 30 m Seitenlängen und einen massiven Turm aus der Eisenzeit II frei. Der Ausgräber rekonstruiert eine etwa 3 ha große, ummauerte Stadtanlage, die vom 10. bis in das 8. Jh. v.Chr. stand (NEAEHL 3, 965f; Mazar, Amihai 1995a). Der Siedlungsplatz wurde mit verschiedenen alttestamentlichen Toponymen wie Efraim (Efraim, Ort; 2Sam 13,23), Baal-Schalischa (2Kön 4,42) oder selbst mit Ai gleichgesetzt (vgl. Mazar, Amihai 1995a, 115f; McKinny, Charles Christopher 2016a, 319f). Zuletzt identifizierte ihn McKinny versuchsweise mit Emek-Keziz (Jos 18,21; McKinny, Charles Christopher 2016a, 320), das bei Bet-Hogla und Bet-Araba und damit noch in relativer Nähe zu Jericho zu suchen ist. Insofern erscheint die ca. 18 km nordwestlich von Jericho liegende Ḫirbet el-Marǧame nicht geeignet für die Lokalisierung von Emek-Keziz. Möglicherweise lässt sich der Siedlungplatz mit Zemarajim in Verbindung bringen, wenn man der Gleichsetzung des alttestamentlichen Toponyms mit mrm folgt. Zumindest liegt Ḫirbet el-Marǧame auf einer Linie von Sukkot (Sukkot, Jordantal) und Adam in das Bergland nördlich von Jerusalem. Allerdings ist auf dieser Strecke bislang keine antike Wegverbindung nachgewiesen. In römischer Zeit führte vielmehr eine durch Meilensteine nachgewiesene Straße von eṭ-Ṭayyibe, dem alttestamentlichen Ofra, in südöstlicher Richtung nach Jericho (Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a), auf einer Trasse, die möglicherweise bereits zuvor in dem teilweise unwegsamen Bergland genutzt wurde. Ḫirbet el-Marǧame liegt jedoch gut 5 km nordöstlich von eṭ-Ṭayyibe und damit relativ weit von dem oben genannten Verkehrsweg entfernt. Die Lage nördlich von Ofra impliziert zudem, dass der Siedlungsplatz in alttestamentlicher Zeit schwerlich dem Territorium Benjamins zugeordnet werden konnte, sondern bereits im Gebiet Efraims lag. Zumindest verlief die in Jos 18,12-14 beschriebene Nordgrenze Benjamins südlich von Ofra. Und selbst unter der Voraussetzung, dass die Grenzbeschreibung einen relativ breit vorzustellenden Grenzbereich zwischen Benjamin und Efraim anzeigt, fällt es schwer, Ḫirbet el-Marǧame noch für einen Ort zu reklamieren, den das Alte Testament Benjamin zuordnet. Nicht zuletzt erscheint es auch kaum vorstellbar, dass eine kleine Stadtanlage, die, zumindest nach vorläufiger Rekonstruktion, im 10. Jh. v.Chr. gegründet wurde und bis in das 8. Jh. v.Chr. bestand, unter den von Schoschenk im ausgehenden 10. Jh. v.Chr. eroberten Orten aufgelistet wurde. Daher ist eine Gleichsetzung von Ḫirbet el-Marǧame mit Zemarajim und/oder mrm nach derzeitigem Kenntnisstand kaum zu verteidigen.
Südlich der oben beschriebenen Römerstraße von eṭ-Ṭayyibe nach Jericho liegt der eisenzeitliche Siedlungsplatz Ḥorvat Šilḥa. Dabei handelt es sich um eine rechteckige, möglicherweise quadratische befestigte Anlage. Die gut 27 m lange Südseite wurde freigelegt und dabei u.a. ein  größeres Pfeilerhaus (Vierraumhaus) entdeckt. Die Ausgräber halten Ḥorvat Šilḥa für eine befestigte Straßenstation oder Karawanserei auf dem Weg von der Jordansenke ins Bergland bei Jerusalem. Nach der Keramik und einem Krughenkel mit Königsstempel (lmlk-Stempel), der den Ortsnamen Sif (Sif, Bergland) zeigt, wurde der Platz vom ausgehenden 8. bis in das 7./6. Jh. v.Chr. genutzt (Mazar, Amihai u.a. 1996a; NEAEHL 4, 1364). Daher lässt sich das mrm der Schoschenkliste hier nicht festmachen. Für die Lokalisierung von Zemarajim käme Ḥorvat Šilḥa jedoch in Frage, da der Platz etwa auf halbem Weg zwischen dem Bereich, in dem Bet-Araba vorzustellen ist, und Bet-El liegt, was der Reihenfolge der Ortsnamen in Jos 18,22 entspricht.
Zuletzt hat McKinny Zemarajim versuchsweise mit dem heutigen Ort Rammūn gleichgesetzt (McKinny, Chris 2015a, 21*–23*; McKinny, Charles Christopher 2016a, 321‒323). Der Ort liegt etwa 3 km südlich von eṭ-Ṭayyibe an der oben beschriebenen Wegverbindung nach Jericho und damit auch zwischen Bet-Araba und Bet-El. Nach Oberflächenuntersuchungen war der Ort in der Eisenzeit I, der hellenistischen, der römischen und der byzantinischen Zeit sowie in späteren Perioden besiedelt (Finkelstein, Israel 1988a, 161; Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 538). Allerdings ist nichts über das Aussehen der jeweiligen Siedlungen bekannt. Falls der Ort in der späteren Eisenzeit I (11./10. Jh. v.Chr.) von einiger Substanz war, könnte er mit dem ḏmrm der Schoschenkliste in Zusammenhang zu bringen sein. Außerdem erlaubt die Gleichsetzung von Zemarajim mit Rammūn, den Berg Zemarajim mit dem nur etwa 2 km nördlich des Orts liegenden Bergrücken Rās ez-Zemāra gleichzusetzen (s.o.), an dem sich möglicherweise der alte Name erhalten hat (so bereits Koch, Klaus 1962a). Insofern scheint sich Rammūn für die Lokalisierung von Zemarajim anzubieten. Der von McKinny in demselben Zusammenhang diskutierte, vorläufig E.P. 914 genannte Fundplatz dagegen lässt sich mit Zemarajim nicht in Verbindung bringen. Er liegt unmittelbar östlich von Bētīn (Bet-El) und weist nach ersten Sondagen Reste der Mittelbronzezeit, der Eisenzeit II und der byzantinischen Zeit auf (Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 527; Tavger, Aharon 2015a). Wahrscheinlich ist E.P. 914 eine Anlage, die mit dem alttestamentlichen Bet-El in Verbindung stand, auch wenn hier vermutlich nicht das örtliche Heiligtum lag, wie jüngst vermutet wurde (Tavger, Aharon 2015a).

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-02-15 12:30:33

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 6 (1992), 1074 (Toews, Wesley I., Art. Zemaraim)
  • NEAEHL 3 (1993), 965f (Mazar, Amihai, Art. Marjameh, Khirbet); 4 (1993), 1364 (Ilan, Zvi / Mazar, Amihai / Amit, David, Art. Shilḥa, Ḥorvat)

 

Literatur

Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1883a , 174 ;  Steuernagel, Carl 1900a , 224 ;  Dalman, Gustaf 1916a , 42.44 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 454 ;  Noth, Martin 1938b , 287 ;  Noth, Martin 1953a , 111 ;  Rudolph, Wilhelm 1955a , 236 ;  Simons, Jan 1959a , 174 § 327 ;  Koch, Klaus 1962aNoth, Martin 1971b , 80f ;  Kochavi, Moshe 1972a , 157f.176-178 ;  Dever, William G. 1972aWilliamson, Hugh G. M. 1982a , 252 ;  Aharoni, Yohanan 1984a ,332-336.446 ;  Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 430 ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aKallai, Zecharia 1986a , 401 ;  Edelman, Diana Vikander 1988a , 56 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aFritz, Volkmar 1994a , 185 ;  Mazar, Amihai 1995aMazar, Amihai u.a. 1996aRösel, Hartmut N. 2011a , 295 ;  McKinny, Chris 2015aMcKinny, Charles Christopher 2016a , 321‒323 ;